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| Ursprüngliches und Spezialitäten |
Dienstag, 07. September 2010
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veröffentlicht am 11.06.2004 - 1922 mal gelesen Ein Rundgang durch Bittenfeld mit den DFB am 29. Mai 2004
„Ursprüngliches“ – die Rienzhofer Mühle bildete wahrscheinlich den Ursprung des früheren Weilers Renshofen und auch der Bittenfelder Apfel ist weithin bekannt.
„Spezialitäten in Bittenfeld“ – angefangen mit dem Holzofenbrot das Frau Hartenbauer vierzehntägig bäckt, über den Bittenfelder Most und Apfelsaft aus heimischen Streuobstwiesen, von dem die Fa. Petershans zwei Kisten zur Verfügung stellte, über die Käserei Vosseler.
30 interessierte Bittenfelder ließen sich am 29. Mai einladen zum Rundgang durch Bittenfeld mit den Demokratischen Freien Bürgern.
Der Weiler Renshofen lag zwischen Schiller-, Remser- und Rienzhofer Straße. Der Name Renshofen kommt von „rinnen, Rinnsal, Bach“ und zeugt von den vielen Rinnsalen im Zipfelbachtal. Bereits 1245 werden Güter des Chorherrenstifts Backnang und 1439 des Kloster Adelbergs in Renshofen aufgezeichnet. (In Waiblingen steht noch der Adelberger Pfleghof –das spätere Kameralamt- in der Langen Straße 40.) Ob Renshofen eigenständig war, ist nicht immer klar zu erkennen, denn im 14. Jh. wird vom Schultheiß, Richter und der Gemeinde Renshofen berichtet und gleichzeitig heißt es, Renshofen liegt innerhalb der Grenzen des Dorfes Bittenfeld.
Nicht jeder durfte im Mittelalter eine Mühle bauen. Eine Vorraussetzung war, dass ein Dorf das Stadtrecht bekam, z. B. Waiblingen 1253. Die bedeutendste Entwicklung des Mittelalters im Wasser- und Mühlenbau verdanken wir jedoch den Klöstern. In ihrem Bestreben nach Selbstversorgung gab es die Vorschrift, dass jedes Kloster für Wasser, Mühlen, Gärten und Handwerk zu sorgen habe. In
Auf der Waiblinger Gemarkung liegen die Geheime Mühle in Beinstein (1086), die Hahnsche Mühle (1268), die Lorensmühle Neustadt (1350), die Waldmühle (1470), die Häckermühle (1555) und die Vogelmühle (1864). Mit der Geheimen -, Hahnsche-, Häcker- und Vogel-mühle wird heute Ökostrom gewonnen und damit ca. 430 Haushalte im Jahr versorgt.
Die Schnellenmühle wurde 1453 and Paul Müller und die Rienzhofer Mühle 1454 an Hans Müller verliehen. Die jährliche Lieferung an das Kloster und spätere Stift Backnang betrug 20 / 24 Malter Korn, 8 / 10 Malter Kernen (enthülster Dinkel), alle gefangenen Fische über 3 Schilling, zwei Schweine pro Vierteljahr, wobei das der Rienzhofer Mühle gemästet sein musste, sowie einen Mühlkuchen an allen Feiertagen.
Mühlkuchen ist ein Kuchen der aus Feinmehl -heute ganz übliches 405 Mehl- gebacken wurde. So etwas war früher etwas besonderes, da nur Vollkornmehl bzw. Backschrot hergestellt wurde. Nur zu Feierlichkeiten wurde dann ein Mühlkuchen gereicht, den sich nur die Müller selbst leisten konnten, da genügend Mehlstaub bzw. Dunst anfiel.
Alle Bau- und Reparaturarbeiten gingen zu Lasten des Klosters.
Die Waiblinger Müller erhielten 1/14 des Mahlgutes als Lohn und konnten den ange-schwemmten Sand der Rems verkaufen. Gleichzeitig waren größere Mühlen für die Unterbringung der Jagdhunde zuständig, wenn der Herzog zur Jagd anreiste, und viele Müller hatten eine eigene Hundezucht für die Herzöge.
Herr Hartenbauer erzählte aus einer Chronik, dass die Rienzhofer Mühle früher Rems-, dann Komm-Kumm-Mühle hieß. Bei der Belagerung durch die Franzosen wollte ein Soldat nicht weiterziehen und versteckte sich im Mühlrad. Als der Müller am nächsten Morgen das Mühlrad in Gang setzte, wurde der französische Soldat dabei getötet. Anschließend führte Herr Hartenbauer durch die Mühle, die jedoch seit einem Jahr kein Getreide mehr mahlt. Die interessierten Besucher stellten viele Fragen. Nach der Besichtigung gab es keinen Mühlenkuchen, sondern süßes und salziges Gebäck von den DFB-Frauen und Most und Apfelsaft vom Saftladen.
Die nächste Station, nach einem Spaziergang durch die Streuobstwiesen, war die Käserei Vosseler. Herr Vosseler, der eine Sennerausbildung in der Schweiz absolvierte, begann 1990 mit der Käserei in der Bachstraße in Bittenfeld. 1999 zogen sie in die Römerstraße und bauten die Käserei aus, der Verkauf findet in der Bachstraße statt. Frau Vosseler bildete sich weiter zur Handwerklichen Milchverarbeiterin und seit 2003 besitzen sie das Gütesiegel Bioland von Demeter. Frau Vosseler erwartete die DFB-Gäste in ihrem Hof mit Bänken und Infotafeln über die Käseherstellung. Ein Videofilm erklärte vom Abholen der Milch, über die Käserei, den Nacharbeiten, der Lagerung, bis zum Endprodukt und dem Verkauf. Herr Vosseler demonstrierte die Nacharbeit anhand der frischen Käselaibe vom Freitag. Anschließend gab es verschiedene Käsekostproben mit interessanten Erläuterungen.
Zur dritten Station kamen noch einige Interessierte dazu. Im Vereinsheim des Obst- und Gartenbauvereins zeigte Dipl. Biol. Michael Eick vom Naturschutzbund Fellbach einen Diavortrag über die „Wunderwelt der Streuobstwiesen“. Erstaunliche Aufnahmen vom Steinkauz und dem Leben des kleinen Vogels ließen den „Totenvogel“ in einem ganz anderen Licht erscheinen. Die heimische Pflanzenwelt und verschiedene Obstbäume schilderte Herr Eick mit beeindruckenden Bildern. Die Pflege der Streuobstwiesen und deren Bedeutung für die Tier- und Pflanzenwelt erläuterte Herr Eick mit viel Fachkompetenz und Humor.
Butterbrezeln, ein gutes Viertele und interessante Gespräche rundeten den informativen Nachmittag ab.
Cornelia Höger

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