Das Schicksal klopft an

Unerwartet aber unaufhaltsam geht es los. Mit voller Lautstärke dröhnen vier Töne gefolgt von einer Terz, die in einer Fermate verweilt. Dann die Wiederholung des Motives einen Ton tiefer, kleine Terz. Ein scheinbar simpler Auftakt zu einer Sinfonie. Jedes Kind kann das <Ta-Ta-Ta-Taaa> sofort nachsingen. Und doch ist dies eine Klangfolge, die ihre Hörer sofort fesselt und bis zur letzten Note des ersten Satzes (Allegro con brio !!) der Sinfonie in c-moll Opus 67 in Atem hält. Wenn es denn greifbar wäre, das Schicksal, dann so, genauso würde es wohl sein Erscheinen ankündigen. Seit ihrer ersten Aufführung an einem klirrend kalten 22.Dezember 1808 in Wien bewegt Beethovens fünfte Sinfonie die Menschen dazu, an die Grenzen ihres Ichs zu gehen, um zu erspähen, was darüber hinaus existiert.

Nicht umsonst wurde dieser Sinfonie der Titel Schicksalssinfonie verliehen. Der berühmte Autor des Romanzyklus La Comédie humaine (deutsch: Die menschliche Komödie) Honoré de Balzac schrieb, nachdem er eine Aufführung erlebte: „In diesem Mann wohnt eine göttliche Macht. Was wir Schriftsteller darstellen ist begrenzt, was Beethoven uns gibt, ist unendlich.“

Nun, dieser Auftakt passt auch gut zum dem, was uns aktuell bewegt. Mit Wucht hat sich die Pandemie wieder in unser Leben gedrängt und es durchgewirbelt, nachdem wir sie den Sommer über unter Kontrolle glaubten. Die Konsequenz, die uns Musiker unmittelbar trifft, ist, dass wir mindestens im November von gemeinsamen Proben Abstand nehmen. Das ist unser Beitrag zur Verminderung der Ausbreitung dieser hochansteckenden Krankheit. In der folgenden Auswirkung werden die musikliebenden Bittenfelder bedauerlicherweise auf das Jahreskonzert unseres Vereins verzichten müssen. Ohne erprobtes Zusammenspiel gibt es leider auch keinen harmonischen Klang.

Doch ebenso, wie es in der Fünften Sinfonie nach aller Dramatik einen versöhnlichen und vielleicht sogar optimistischen Schlusssatz gibt, genauso werden wir die Pläne zur Aufführung unseres Konzertes nicht sang- und klanglos in der Schublade verschwinden lassen, sondern bei kommender Gelegenheit unseren Beitrag für ein kulturell neu aufblühendes Bittenfeld leisten.