Spannende Dissonanzen

Es ist Zufall, vielleicht eine Laune der Natur und dennoch bemerkenswert, dass sich die Landschaft hierzulande während der dunkelsten Wochen in ihr hellstes Gewand kleidet. Gerade wenn die Tage kurz und die Nächte lang sind, können wir uns bisweilen an märchenhaft verschneiten Landschaften erfreuen. Zumindest früher gab es das öfter. Nicht von ungefähr steht der Winter in unserem Empfinden für die Kontraste schwarz und weiß.

Im Sommer hingegen schmücken sich Wald und Wiese mit einem Kostüm, das Ton in Ton gehalten ist, mit ein paar farblich abgestimmten Accessoires an Blüten und Früchten. Auf jeden Fall ist der Wechsel der Jahreszeiten nicht langweilig.

Auch in der Musik gibt es nicht nur harmonische Akkorde. Damit es interessant wird, muss man Spannung erzeugen. Dafür sind unharmonische Akkorde zuständig die sogenannten Dissonanzen. Dieses Wort ist lateinischen Ursprungs und enthält die Teile „dis“, also auseinander und „sonare“, welches klingen bedeutet. Doch die Lehre der Zusammenklänge von Tönen ist noch älter. Die Legende berichtet, dass es Pythagoras war, der in einer Schmiede bemerkte, dass gleichzeitige Hammerschläge wohlklingende Töne erzeugten, wenn die Gewichte der Hämmer in bestimmten ganzzahligen Verhältnissen standen. Weil er daraus eine Theorie entwickelte, galt er bis ins Mittelalter als Erfinder der Musik schlechthin. Schließlich war es wieder ein Mathematiker – nämlich Leonhard Euler – der sogar eine mathematische Formel zur Bestimmung des „gradus suavitatis“ (Lieblichkeitsgrad) von Intervallen und Akkorden ersann.

Soweit die Theorie. Wie spannend Musik wirklich ist, erspürt man nur, wenn man sie mit eigenen Ohren hört oder noch besser, wenn man sie selber macht.

Zurzeit können sich die Musiker*innen unseres Vereins nur in ihren Heimstudios damit beschäftigen. Immerhin hilft fleißiges Üben, sich auf den Tag vorzubereiten, an dem die erste gemeinsame Musikstunde abgehalten werden kann mit festem Blick auf neue Auftritte.