Wandel und Beständigkeit

Den Monat April als Muster der Beständigkeit heranzuziehen, wirkt im ersten Moment etwas seltsam. Jedoch bei näherer Betrachtung ist er genau das. Es gibt in der Abfolge der Witterungsphänomene eines Jahres eine Periode besonders wechselhaften Wetters. Und die liegt ziemlich verlässlich im April. Dass dies keine neuzeitliche Erkenntnis ist, lässt sich an der Vielzahl der Sprichwörter ablesen, die gerade über das Aprilwetter kursieren. 

Die unauflösliche Einheit jener widersprüchlichen Begriffe von Wandel und Beständigkeit sind ebenso in der Mode bestens bekannt. Schließlich lautet die Devise dort: „Nichts ist so beständig wie der Wandel“

Die Musik ist dem Zeitgeschmack in gleicher Weise unterworfen. Wobei man dabei sogar unterschiedliche Zyklen feststellen kann. Denn selbstverständlich wird immerfort neue Musik geschrieben. Die Hitlisten sind ständig in Bewegung. Doch obendrein ändern sich die Grundrhythmen (oft Tänze), die bevorzugt verwendeten Instrumente, kurzum der Musikstil im Laufe der Zeit, allerdings deutlich gemächlicher.

Gleichwohl Mode ist nicht gleich Mode. Während nämlich die auf das Äußerliche bedachten Stile und Effekte der Kleidung hauptsächlich darauf gerichtet sind, sich von den Anderen zu unterscheiden, wird Musik komponiert, arrangiert, gesungen und gespielt, um das Innere der Mitmenschen anzusprechen. Das ist auch der Grund, warum uns eigentlich unmodern gewordene Musik immer wieder aufs Neue anspricht. Eben deshalb ist es wichtig, Musik jeglicher Richtungen „im Angebot“ zu behalten. Dieses reicht von den Volksliedern, über die asketische Klarheit gregorianischer Gesänge, über prunkvolle barocke Opern und klassische Sinfonien zu den Rappern unserer Tage.

Diesem Anliegen des Bewahrens ist auch der Musikverein „Frei weg“ Bittenfeld verbunden. Unser Repertoire umfasst neben aktuellen Stücken aus Rock, Pop und Schlager ebenso „klassische“ Blasmusik wie Polkas und Märsche. Und für bestimmte Anlässe spielen wir genauso mit Hingabe Choräle sowie festliche Instrumentalstücke. Gerade auf das Letztere richtet sich nun unser Augenmerk. Wir beginnen jetzt also mit den Vorbereitungen auf die Konfirmation, die im Juli geplant ist. Denn wegen der Pandemieentwicklung wird der Musikverein auf das 1.Mai-Fest verzichten. 

Programme

Ob wir es nun wollen oder nicht, der menschliche Erfindungsgeist schreitet voran und ersinnt ständig Neues. In den letzten Jahren fanden Umwälzungen hauptsächlich im Bereich elektronischer Geräte und der zugehörigen Software statt. Dabei hat sich selbst der Name der Software mit der Zeit verändert. Heute spricht man weltweit von Apps, statt wie früher von Programmen zu reden. In unseren Tagen findet man diesen Begriff eigentlich nur noch im Zusammenhang mit Programmiersprachen. Diese haben sich mittlerweile so weit auseinanderentwickelt, dass es zum Beispiel ganz spezielle nur für grafischen Bedienoberflächen gibt und wieder andere ausschließlich für Auswertungen von Bilder und Mustern. Gerade im letzteren Bereich gibt es seit ungefähr 20 Jahren Bemühungen, Algorithmen so zu erschaffen, dass die Computer, die damit arbeiten, sich selbst Wissen aneignen können. So entstehen Entscheidungsstrukturen, die kein Mensch programmiert hat und die sich teilweise sogar der menschlichen Kontrolle entziehen. Der Fachmann spricht deshalb von maschinellem Lernen. Diese Anwendungen gehören zum Bereich der künstlichen Intelligenz.

Wann und ob überhaupt künstliche Intelligenz in der Lage sein wird, Kunst zu erschaffen, steht heutzutage nicht fest. Ausschließen möchte das aber kein Kenner der Materie. Doch das bleibt ein Thema für die Zukunft. Im hier und heute jedoch ist Musik etwas zutiefst Menschliches. Wobei, Programme gibt es in der Musik schon lange. Damit sind nicht nur die Ablaufbeschreibungen eines Konzertes gemeint sondern auch thematische Strukturen in musikalischen Werken. Davon leitet sich der Name Programmmusik ab. Eine der direktesten Umsetzungen dieses Anliegens findet sich im Werk „Bilder einer Ausstellung“ des russischen Komponisten Modest Mussorgski. Andere sehr anschauliche Beispiele – wenn man das in der Musik so nennen darf – sind die „Die vier Jahreszeiten“ Antonio Vivaldis oder „Die Moldau“ von Bedřich Smetana.

Solange Sie die Orchester unseres Vereins nicht mit Livemusik unterhalten können, lassen Sie doch solche wundervollen Bilder vor Ihrem geistigen Auge beim Hören jener Werke entstehen. Die kommenden Tage bieten ein wenig Ruhe dafür.

Der Musikverein „Frei weg“ wünscht allen Bittenfeldern
Frohe Ostern.

Piccolo

Wie klein die Welt sein kann, hat unser derzeit größtes Problem gezeigt. Die Ausbreitung des Covid-19-Virus ging rasend schnell und erreichte binnen Wochen jeden Winkel unseres Planeten, wenn man von der Antarktis wegen deren Sonderstellung absieht.

Aber das selbst Kleines groß sein kann, kennen wir ja gleichfalls aus der Musik. Der Triangel zum Beispiel, so unspektakulär er aussieht, verleiht manchen Musikstücken erst das reizende i-Tüpferl. Und denken wir erst an das Tirilieren und Brillieren einer Piccoloflöte. Wir vom Musikverein „Frei weg“ sind froh, eine Meisterin dieses wirklich kleinen und feinen Instrumentes in unseren Reihen zu haben.

Obwohl die Miniflöte, die zu den Holzblasinstrumenten zählt, in ihren Abmaßen eher winzig ist, kann man sie kaum überhören. Das liegt an ihrem schrillen Klang. Sie ist noch eine Oktave höher gestimmt als eine Querflöte. Damit ist sie selbst in gut besetzten Sinfonieorchestern das höchste Instrument. Diese überragende klangliche Qualität hat die Piccoloflöte von ihren Vorfahren geerbt, die in der Militärmusik dienen mussten. Dort war sie so markant, dass sie gemeinsam mit der kleinen Trommel den typischen Klang der zu Fuß ziehenden Landsknechte ausmachte. Jenes hohe Maß an Wiedererkennbarkeit ebnete der kleinen Flöte schließlich auch den Weg in die klassische Musik. Mozart verwendete sie ganz gezielt in seiner Oper „Die Entführung aus dem Serail“, um der türkischen Infanterie – den Janitscharen – ein akustisches Kostüm zu verleihen. Auch spätere Komponisten gebrauchten die Piccoloflöte gerne, um Schauerliches noch zu unterstreichen. Beethoven dagegen nutzte den speziellen Sound für nacherlebbares Sturmbrausen im Satz „Gewitter, Sturm“ in seiner 6.Sinfonie. Bei Richard Strauss und Gustav Mahler schließlich wurde dieses Instrument sogar als Soloinstrument eingesetzt.

Bis Sie die Piccoloflöte bei uns wieder hören können – vielleicht im Yorkschen Marsch – vielleicht im Herbst – werden noch ein paar Tage vergehen. Aber vorfreuen kann man sich schon jetzt.

Scherzo

Nach einer rustikalen Definition ist Humor, wenn man trotzdem lacht. Das vergangene Jahr und ebenso der Start in dieses haben leider wenig Gelegenheit für ausgelassene Stimmung geliefert. Im Gegenteil, in den zurückliegenden Monaten hatten einige unserer Mitmenschen persönliche Tragödien zu erdulden. Bedauerlicherweise ist auch keine baldige Aufnahme des Konzertbetriebes in Sicht, der vielleicht ein wenig Ermunterung versprechen würde. Die Musik kann ja genau wie die Zeit Wunden heilen.

Bis wir also Freude durch live gespielte Melodien spenden dürfen, müssen wir uns mit ein wenig Theorie behelfen. Heute geht es um das Scherzo, in der Musik versteht sich. Es ist ein Kuriosum, dass so bezeichnete Instrumentalstücke nicht unbedingt witzig sein müssen. Natürlich wurde der Begriff für eher flott vorgetragene, ausgelassene und heitere Sätze in Sinfonien geprägt. Vermutlich geschah dies aber in einer übertriebenen Huldigung der italienischen Sprache, vergleichbar den merkwürdigen Blüten, aus dem Denglischen unserer Tage. So kennen zum Beispiel die Bürger des Vereinigten Königreiches genau wie wir ein Home Office, allerdings meinen sie damit das Innenministerium.

Doch zurück zum Scherzo. Hayden und Beethoven haben es oft als dritten Satz in ihre Sinfonien eingebaut. Ein Platz, den in der Wiener Klassik Mozarts das Menuett innehatte. Interessanterweise versuchte Beethoven, die vorgenannte Begriffsverwirrung zu umgehen, indem er ab der 5. Sinfonie den Sätzen nur noch Tempoangaben zuordnete wie „Allegro con brio“ oder „Andante con moto.“

Weiterhin bemerkenswert ist, welche Entwicklung das Scherzo nahm. Aus der Feder Frédéric Chopin wurde es ein unheimliches „Scherzo diabolico“, während es bei Gustav Mahler in die Richtung einer melancholisch-grotesken Stimmung ging. Dmitri Schostakowitsch schließlich verlieh dem Scherzo gar etwas Tragikomisches.

Doch grau ist alle Theorie. Vielleicht können wir mit folgender Episode wenigstens für ein stilles Lächeln sorgen.

Ein Hornist tritt an das Notenpult seines Mitspielers heran und fragt: „Was spielen wir denn heute?“ Der guckt irritiert und antwortet: „Weiß ich auch nicht. Als ich kam, waren die Noten schon aufgeschlagen.“

Musikdirektor

Das ist eine ziemlich sperrige Übersetzung der italienischen Anrede „Direttore della Musica.“ In Deutschland ist die Benennung Dirigent viel gebräuchlicher.

Augenscheinlich ist, dass viele Chöre und Orchester – vor allen größere – einen haben. Warum eigentlich? Jazzbands, Rockformationen, Girl- oder Boygroups kommen doch auch ohne aus.

Nun die persönliche Verantwortung eines Musikers, möglichst fehlerfrei sein Instrument zu beherrschen, wurde vergangene Woche an dieser Stelle thematisiert. Jedoch ein Musikstück technisch einwandfrei wiederzugeben, konnten Musikautomaten bereits vor über 200 Jahren. Das ist zwar nett anzuhören. Allerdings wirkt diese Musik auf den Zuhörer bisweilen eher künstlich als kunstvoll. Um Musik voll Kunst zu machen, muss die Interpretin oder der Interpret zur Idee des Komponisten eben noch etwas von seiner Persönlichkeit dazugeben. Spielt man alleine, ist das nur eine Frage der eigenen Fähigkeiten und Gaben. Musiziert man gemeinsam, bedarf es der Abstimmung und Koordination. In kleinen Gruppen ist das mit weniger Problemen verbunden als in großen. Doch selbst im kleinen Kreis gibt es oft einen Bandleader, der ansagt, wo es lang gehen soll. Selten sind es Zwei, die sich die Aufgabe teilen, wie bei den Beatles etwa.

Würde in einem Sinfonieorchester jeder der zweifellos exzellenten Musikanten seine Auslegung des Notenmaterials zum Besten geben, würde uns das Ergebnis wohl wenig begeistern. Deshalb betraut man Eine oder Einen mit der künstlerischen Leitung. Das für das Publikum sichtbare „Rumfuchteln“ zur Vorgabe des Tempos und der Lautstärke während einer Aufführung ist dabei nur einer kleiner Teil der Pflichten. Die Ausrichtung des Klangkörpers durch Auswahl der zu spielenden Stücke und die Vorgabe und Durchsetzung der Gestaltung sind noch wichtiger und aufwendiger. Wenn der Dirigent also für ein Konzert zwischen Publikum und Orchester tritt, hat er den Großteil seiner Anstrengungen bereits hinter sich.

Leider müssen wir Musikschaffende vom Verein „Frei weg“ auf diesen Aspekt unserer musischen Freizeitgestaltung zurzeit verzichten. Noch trainieren wir Spieltechnik und Ansatz alleine, hoffen aber auf baldige gemeinsame Musikstunden.

Auch das passiert

Gioachino Antonio Rossini, ein Zeitgenosse Beethovens übrigens, ist uns heute bekannt durch seine Opern, allen voran vielleicht der „Der Barbier von Sevilla.“ Ohne Zweifel war er in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine gefeierte Opernikone – ein Superstar wie man in unseren Tagen sagen würde – weil er eine ungeheure Schaffenskraft hatte. Produktiv wie er war, schaffte er es, fünf bis sechs Opern in einem Jahr zu komponieren und das alles in mühseliger Handarbeit. So konnte es nicht ausbleiben, dass kritische Neider Fehler in seinen Autographen fanden. Auf eine entsprechende Bemerkung antwortete er eines Tages so: „Ja, sehen Sie, es ist doch allgemein bekannt, dass mir in den meisten Fällen kaum mehr als sechs Wochen bis zur Vollendung einer Oper zur Verfügung stehen. Diese sechs Wochen teile ich mir so ein, dass ich die ersten vier Wochen ganz meinen Vergnügungen nachgehe. Dann mache ich mir ein paar Gedanken zu den einzelnen Themen und schreibe in den letzten zehn bis zwölf Tagen täglich eine Arie, ein Duett, ein Terzett oder etwas anderes zu dem Werk. Abends gehe ich dann zur Probe. Und bei all dieser Hetzerei soll ich dann auch noch die Fehler bemerken, die sich in die Partitur eingeschlichen haben?“

Hm, so schnell kann es gehen. Einmal nicht richtig hingeguckt und schon ist ein Schnitzer drin, wie geschehen in der Kolumne der vergangenen Woche. Dem aufmerksamen Leser ist der kleine Irrtum wohl nicht entgangen.

Sogar bei der Aufführung der Musikstücke kommt es selbst bei strenger Befolgung der Spielanleitung in Form von Noten hin und wieder zu winzigen Ausreißern. Sei es, dass man sich vergreift. Sei es dass, der Lippenansatz nicht ganz sicher war. Oder dass man sich mal beim Einsatz verzählt. Damit das nicht allzu oft passiert, trainieren Musiker, so dass sie ihren Part gegebenenfalls auch auswendig können. Und nachdem die technischen Fehler „weggeübt“ sind, kann man sich mit dem künstlerischen Ausdruck beschäftigen. Genau das ist es, was die die Musikerinnen und Musiker der Kapellen des Musikvereins in den letzten Wochen getan haben und in der verbleibenden Zeit bis zur ersten gemeinsamen Probe machen werden. Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Das ist mal eine tolle Meldung

„Auch wer spät anfängt, kann ein guter Musiker werden“ stand in der Februarausgabe des Wissenschaftsmagazins Spektrum. Wissenschaftler vom schwedischen Karolinska-Institut und von der Universität Amsterdam untersuchten, ob es ein Zeitfenster in der Entwicklung des Menschen gibt, in dem er besonders empfänglich für das Erlernen eines Instrumentes ist. Dafür wurden unter anderem über 7000 Zwillingspaare befragt. Die Forscher interessierten sich dabei im Speziellen für die Fälle, bei denen die Geschwister nicht zum gleichen Zeitpunkt mit dem Musizieren begannen. Wenig überraschend war die Tatsache, dass diejenigen besser spielten, die früher angefangen hatten. Berücksichtigt man jedoch den Vorsprung durch längeres Üben und Trainieren, eben jene Reifezeit, die man schlicht benötigt, um gewisse Fertigkeiten zu erlangen, dann kann man allenfalls von einen Vorsprung sprechen aber nicht von einer besonderen Talentprägungsphase.

Diese Erkenntnis sollte allen Mut machen, die in den gegenwärtigen Wochen der ereignisarmen Aufenthalte in den eigenen vier Wänden nach sinnvollen Betätigungen suchen. Musizieren und das Beschäftigen mit einem Instrument gehören zweifellos dazu. Im Übrigen ertüchtigt das die grauen Zellen und die Feinmotorik gleich mit. Erwiesen ist, dass Musikmachen die allgemeinen geistigen Anlagen und kognitiven Fähigkeiten verbessert. Das ist selbstverständlich in den Jahren besonders wirkungsvoll, in denen man „für das Leben lernt.“

Am heutigen Donnerstag feiert jedenfalls ein junger Musiker seinen 30.Geburtstag, dem seine Eltern frühzeitig halfen, seine Talente zu entwickeln und dies mit grandiosem Erfolg. Ed Sheerans Hits gehören zum Soundtrack unserer Tage, einfach weil sie von sehr vielen Menschen recht gern gehört werden. Das lässt sich mit einigen ungewöhnlichen Rekorden belegen. So ist er zum Beispiel der erste Künstler, der mit zwei Liedern gleichzeitig auf Platz 1 und 2 in den Singlecharts einstieg, nämlich 2017 mit „Shape of You“ und „Castle on the Hill.“ Im Jahr 2019 gelangen dem Ausnahmemusiker, mit seiner Tour „Divide“ zwei weitere Rekorde. Und zwar war sie bereits vor ihrem Ende sowohl die kommerziell erfolgreichste Tournee (mit über 737 Millionen US-Dollar) als auch die mit den meisten Besuchern (über 7,3 Millionen).

Apropos gut besuchte Auftritte, ein paar seiner besten Songs sind in einem Medley verarbeitet, mit der die aktive Kapelle des Musikvereins „Frei weg“ bei nächster Gelegenheit unserem geschätzten Publikum zu guter Stimmung verhelfen möchte.

Esperanza

Es gibt Begriffe, mit denen wir Menschen täglich hantieren und die sich doch der wissenschaftlichen Erkenntnis entziehen. Was zum Beispiel ist Hoffnung?

Sicher ist, diese Erwartung basiert selten auf sicherem Wissen. Andererseits ist sie kein Gefühl wie Wut, Freude oder Trauer. Ohne die Fähigkeit wiederum, sich Zukünftiges vorstellen zu können, sind optimistische Annahmen unmöglich. Hier auf Erden ist es somit dem Menschen vorbehalten, Hoffnung hegen zu dürfen und sie zu schenken. Mithin ist sie etwas zutiefst menschliches.

Hoffnung spielt in unserer Ideenwelt eine wichtige Rolle und folglich ist sie in allen Religionen von zentralem Wesen. Der positive Zukunftsglaube ist so bedeutsam, dass man in anderen Sprachen Kinder nach ihr benennt. Schöne Beispiele gibt es aus dem Englischen, Russischen und Spanischen, nämlich Hope, Nadeshda und Esperanza.

Da konnte es nicht ausbleiben, dass unsere Vorfahren recht bald Musik benutzen, um ihren Wünschen Ausdruck zu geben. Und so ist es bis heute. Waren es anfangs womöglich Tänze und Gesänge in Vorfreude auf Regen oder Jagdglück; so gibt es bis in unsere Tage Lieder, die von Sehnsucht nach Liebe oder Frieden handeln.

Selbstverständlich haben sich viele Komponisten an dem Thema versucht. Nicht immer ist das bereits im Titel erkennbar wie bei Marius Müller-Westernhagen mit seinem Song „Hoffnung“ oder bei der Vertonung des Gedichtes „An die Hoffnung“ von Ludwig van Beethoven.

Mitunter genügt aber schon die Beschäftigung mit Musik, um positive Emotionen zu erzeugen. Das gilt beim Komponieren, Singen und Musizieren ebenso wie beim Hören, Tanzen und Genießen. Befeuern Sie auch ihre Hoffnung und schenken Sie sich Wohlklang.

Wir Musikerinnen und Musiker werden jedenfalls in froher Zuversicht, unseren Mitbürgern wieder mal einen Tag mit Musik verschönern zu dürfen, im gerade nicht stillen Kämmerlein fleißig weiter üben, gemäß dem Spruch Peter Kuznics, einem kroatischen Theologen „Hoffnung ist die Fähigkeit, die Musik der Zukunft zu hören.“

Schach, die stille Musik

In dieser trüben Zeit kann die Phantasie schon mal mit einem durchgehen. Dabei kann es passieren, dass man diszipliniert seine Etüden (musikalische, harmonisch strukturierte Übungen) intoniert und plötzlich schauen die Noten regenbogenbunt aus. Die Achtel leuchten in fröhlichem Orange und Triolen changieren von grün über blau in ein geheimnisvolles Violett. Doch ach, bei genauerem Hinsehen bleibt alles in strengem Schwarz auf Weiß.

Naja, nicht nur Texte und Noten sind in diesem asketischen Kontrast gehalten, sondern auch Schachbretter und ihre Figuren. Vielleicht gehört das zur vornehmen Würde des königlichen Spiels.

Allerdings gibt es noch einiges mehr, was Schach und Musik verbindet. Ein kluger Mann stellte mal folgenden Vergleich an. So wie die Musik, die Kunst der Töne ist und die Akustik ihre natürlichen Gesetzmäßigkeiten untersucht, so gehört zur Mathematik als Wissenschaft der Logik, die Kunst des Schachspiels. Fest steht, dass jeder die Regeln der Musik wie auch des Schachs erlernen kann, dass man durch fleißiges Üben besser wird und dass es doch nur eine Handvoll Virtuosen in jenen Künsten gibt.

Übrigens von Ennio Morricone einem Großmeister der Musik ist folgendes Zitat überliefert „…das Spiel wird von einer sprunghaften und stillen Spannung beherrscht. Manche sagen sogar, dass Schach lautlose Musik ist, und für mich ist Schach spielen ein bisschen wie komponieren.“ Bei Schachspielern wie Mark Taimanow, einem der besten Pianisten des 20. Jahrhunderts, oder dem Sänger und Ex-Weltmeister Wassili Smyslow ist die Grenze zwischen der Liebe zur Musik und zum Schach magisch verschwommen. In diesem Zusammenhang interessant sind die beiden Songschreiber von ABBA. Benny Anderson und Björn Ulvaeus haben, nicht nur klasse Evergreens verfasst, die wir wirklich gerne spielen sondern ebenso das Musical „Chess“, in dem es ganz und gar um Schach geht.

Das führt uns jetzt zurück nach Bittenfeld zum Musikverein „Frei weg“. In unserem Repertoire befindet sich ebenso ein spannendes Potpourri einer Rockgruppe, die sich nach der wirkmächtigsten Figur auf dem Brett benannt hat. Na erraten? Queen.

So nun bevor sich gleich der Notenschlüssel schräg über das Blatt schiebt und eine kecke Note einen Rösselsprung versucht, zügeln wir unsere Einbildungskraft wieder und konzentrieren uns auf die Vorbereitung unsers nächsten Auftritts.

Zug um Zug

Man solle sein Leben in vollen Zügen genießen, das war vor nicht allzu langer Zeit ein sarkastischer Seitenhieb auf die Freitagnachmittagzustände in studentischen Reisewellen mit der Bahn. Heute erinnert sich vielleicht so mancher an diese nicht ganz freiwillige aber doch zwanglose Geselligkeit mit Wehmut zurück. Allein, woher dieser Spruch wirklich stammt, ist nicht mit letzter Gewissheit zu klären. Waren damit einst Beutezüge gemeint oder jene durch die Bars und um die Häuser, hoffentlich nicht die beim Inhalieren verbrennenden Tabaks, vielleicht eher jene an der frischen Luft?

Wie dem auch sei, Züge spielen nicht nur beim Schach eine bedeutende Rolle. Sie sind ebenso ein wichtiger Bestandteil einer Posaune.

Posaunen sind aus der öffentlichen Musikwahrnehmung nicht wegzudenken. Nicht nur in unserem Verein sind sie beheimatet und bilden dort eine wichtige Stütze sondern genauso in Jazz-, Tanz- und Bigbands, selbst in Sinfonieorchestern. Etliche Kirchengemeinden sind stolz auf ganze Chöre mit diesen Instrumenten. Mit ihrem kräftigen tiefen Klang sind Posaunen gut zu hören und mit der effektvollen Art, sie zu spielen, genauso wenig zu übersehen. Das Bonmot Igor Stravinskys „Schau nie die Posaunen an, Du machst ihnen nur Mut.“ ist ein kleiner Scherz unter Blasmusikern und bezieht sich wohl eher auf die Leidenschaft beim Spielen.

Historisch gesehen, entwickelten sich die Posaunen bereits im Mittelalter und zwar aus Businen und Zugtrompeten. Ihr deutscher Name leitet sich deshalb vom Lateinischen bucina ab. Streng genommen sind die Posaunen mit den Trompeten verwandt gerade im Hinblick auf ihre enge Mensur, also die sehr lange zylindrische Röhre für die Luftführung. Der englische Name des Instruments, „trombone“ bedeutet wörtlich nichts anderes als „große Trompete“. Darum verwundert es nicht, dass es ebenfalls die Form der Ventilposaune gibt. Typischer sind aber Zugposaunen und das Spielen über das Reinschieben beziehungsweise Rausziehen eines U-förmigen Rohrstücks, des sogenannten Zuges. Dieser Zug ist es, der den Posaunist*innen eine besondere Spieltechnik gestattet, das Glissando. Das ist ein stufenloser Übergang zwischen zwei Tönen, der recht häufig in Jazzstücken zu hören ist.

Bevor wir unser Publikum an diesen akustischen und optischen Finessen live teilhaben lassen können, müssen wir uns aber zum Schutz der Gesundheit unserer Mitmenschen in der Pandemie zurückhalten. Doch aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.