Rückspiegel

Ostern ist ein Fest voller Symbole für Neuanfänge. Die Christen feiern die Auferstehung Jesu. Daneben gibt es etliche Sinnbilder für neu erwachende Aktivitäten in der Natur. Dazu gehören sicher Hasen mit ihrer sprichwörtlichen Vitalität und genauso die Eier als Zeichen neuen Lebens. Das besondere Grün des Ostergrases und die vielen bunten Blüten sind ganz natürliche Boten in diesem Sinn.

Vielleicht sind bei all diesen auf das Kommende gerichteten Aussichten ein paar kleine Blicke zurück eine nette Abwechslung.

Der 4. April jedenfalls hat in der Welt der Kunst seine ganz eigenen Spuren hinterlassen. Konzentrieren wir uns bei der Fülle zuerst auf die Musik. Eines der populärsten Werke der klassischen Musik – „Die Moldau“ des tschechischen Komponisten Bedřich Smetana – wurde am 04. April 1875 in Prag uraufgeführt. Selbst wer mit sinfonischer Musik wenige Berührungspunkte hat, wird in den Melodien dieses Werkes ohne Mühe die beabsichtigten Bildmotive erkennen. 

Knapp hundert Jahre später schafften vier junge Burschen aus Liverpool mit ihrer Musik Unerreichtes. Vor 60 Jahren am 04. April 1964 belegten die Beatles mit einigen ihrer Songs alle ersten fünf Plätze der US-amerikanischen Single-Hitparade. Kein Künstler und keine Band hat das seither wieder geschafft.

Außerhalb der Welt der Musik kann man für den 04. April festhalten, dass 1854 das Drama „Faust. Der Tragödie zweiter Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe in Hamburg uraufgeführt wurde, 1960 der Film „Serengeti darf nicht sterben“ von Bernhard Grzimek einen Oscar als bester Dokumentarfilm erhielt und dass 1896 die satirischen Wochenzeitschrift „Simplicissimus“ – der die Stilgalerie vor etwas mehr als einem Jahr eine Ausstellung widmete –erstmals erschien.

Aber nun geht unser Blick wieder nach vorn zu unseren aktuellen Projekten, nämlich der feierlichen Umrahmung der Konfirmation am 28. April und unserem Fest zum 1. Mai.

Musik mit Ostereiern

Wer zu Ostern die Eier vorsichtig verspeist, der kann hinterher noch Musik damit machen. Geht nicht? Gibt’s nicht. Tatsächlich existieren Instrumente, die aussehen wie Ostereier. Sie kommen aus China und heißen Xun (gesprochen Shu’(e)n).

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, besteht ihr Äußeres jedoch nicht aus Kalk sondern zumeist aus gebrannten Ton oder Keramik. Zu der Zeit, als man sie erstmalig gebrauchte, wurden sie wahrscheinlich aus Knochen gefertigt. Oder man verwendete hohle Steine. Vielleicht wurden sie anfangs dafür benutzt, um Signale zu geben. Richtig musizieren konnten die Menschen damit nicht, weil die Ur-Xun nur ein Loch hatte. Kunst hin oder her, der Klang scheint gefallen zu haben. Deshalb wurde weiter getüftelt und probiert. Exemplare aus der Zeit der chinesischen Shang-Dynastie (zwischen dem 18. bis etwa zum 11. Jahrhundert v. Chr.) hatten bereits 5 Löcher zum Spielen. 

Heutzutage hat ein Xun 6 Fingerlöcher vorn und 2 Daumenlöcher hinten. Das entspricht ungefähr einem Tonumfang, der auf einer Blockflöte für viele Volks- und Kinderlieder ausreicht. Allerdings ist der Sound natürlich ein anderer. Für uns klingt er exotisch. Wer schnell einen ganz einfachen Eindruck bekommen möchte, der kann mal eine Flasche anblasen. Im Internet auf YouTube finden sich aber viele schöne Beispiele, in denen meisterhafte Musikerinnen und Musiker diesen Instrumenten zauberhafte Melodien entlocken, mit einem eleganten Klang, der eine etwas mystische und leicht traurige Stimmung heraufbeschwört.

Von der Blasmusik des Fernen Ostens zurück in unsere Gefilde; der Probenbetrieb der aktiven Kapelle pausiert an Karfreitag. Doch schon in der Woche drauf geht es weiter. Schließlich haben wir zwei recht unterschiedliche Auftritte vor uns, von denen jeder einzelne uns auf seine spezielle Art fordert. Aktuell bereiten wir uns gleichzeitig auf die feierliche Umrahmung der Konfirmation am 28. April und unser Fest zum 1. Mai vor.

Vier Jahreszeiten

Heute am 21. März stimmen endlich sogar die Astronomen dem zu, was die Meteorologen schon vor drei Wochen verkündeten, nämlich dass der Frühling begonnen hat. Mit all den Farben, der Pracht der Blüten und dem Gezwitscher der Vögel kann man den Boten dieser Jahreszeit momentan auch gar nicht entgehen. Diese Fröhlichkeit des Aufbruches hat Antonio Vivaldi gleich im ersten Satz seiner „Vier Jahreszeiten“ herrlich in musikalische Motive gefasst. Überhaupt hat der italienische Meister der Barockmusik in diesem wahrhaft populären Werk Naturphänomene äußerst bildhaft beschrieben.

Dass Giuseppe Verdi ebenfalls ein Musikopus verfasste, das im Deutschen den Titel „Die vier Jahreszeiten“ trägt, wissen Wenige, unter ihnen die Leser dieser Rubrik. Allerdings hat Verdi auf Naturerscheinungen beschreibende Effekte eher verzichtet. Ihm ging es dafür mehr um die inneren menschlichen Welten, um die Emotionen, die mit diesen Abschnitten im Jahr verbunden sind. Wahrscheinlich mit dem Ziel einen versöhnlichen Abschluss aus dem Klangreigen zu finden, beginnen die „Les Saisons“ bei ihm mit dem Winter in etwas melancholischer Stimmung, um im Herbst mit Melodien zu enden, die zum Tanz beim Erntedankfest aufzufordern scheinen. Apropos Tanz, „Die vier Jahreszeiten“ aus der Feder des Operngenies wurden als Balletteinlage verfasst für die „Die sizilianische Vesper“ (original „Les vêpres siciliennes“) eine Oper in fünf Akten.

Das musikalische Leben unseres Vereines kennt ebenso vier Jahreszeiten, wenn man das so nennen möchte. Den Beginn machen zwei festliche Auftritte, nämlich zur Konfirmation und zum Fronleichnamsgottesdienst. Zu unserem musikalischen Sommer gehören Unterhaltungsmusik und Festzeltauftritte. Der Herbst ist zweifellos unserem Jahreskonzert gewidmet. Den Jahreszyklus beschließen wir dann mit bekannten Weisen bei der Waldweihnacht und bei dem schon traditionellen musikalischen Rundgang am 24. Dezember.

In den zurückliegenden Jahren scheinen sich in der Natur die Jahreszeiten irgendwie verschoben zu haben. Jedenfalls lassen sie sich nicht mehr so scharf mit den üblichen Monaten abgrenzen. Zu Mozarts Zeiten beschwor man den lieben Mai, die Veilchen wieder blühen zu lassen. In Bittenfeld waren die ersten ihrer Art schon im Februar zu finden. Genauso ist es bei uns. Aktuell bereiten wir uns gleichzeitig auf die feierliche Umrahmung der Konfirmation am 28. April und unser Fest zum 1. Mai vor.

Bericht Generalversammlung 2024

Um es gleich an den Anfang zu stellen, es war ein Treffen derer, denen der Verein nicht egal ist, derer, die man mit solchen Adjektiven wie unermüdlich, rührig und rege bedenken darf. Die Generalversammlung war in diesem Jahr besser besucht als im vorherigen. Wenn man aber die Gesamtzahl der Mitglieder in Betracht zieht, so scheint es beim Willen zur Mitsprache und Mitgestaltung noch Reserven zu geben.

Wir bedanken uns herzlich bei den Engagierten.

Speziell hervorheben wollen wir unsere diesjährigen Jubilare:

für 10 Jahre treue Mitgliedschaft 

            Jule Weik
            Julius Gierer
            Karlotta Hammbacher

für 30 Jahre Mitgliedschaft zum Wohle des Vereins

            Ingeborg Rager

für 40 Jahre außerordentlichen Einsatz für die Musik

            Steffen Türk 

Wir bedanken uns für die Verbundenheit mit Musikverein „Frei weg“, Bittenfeld.

Generalversammlungen, die ordnungsgemäß einmal im Jahr stattfinden, haben mit Sylvester gemeinsam, dass man in Gemeinschaft auf das abgelaufene Jahr zurückblickt und teils mit Verwunderung teils mit Stolz feststellt, dass doch einiges mehr passierte, als man vielleicht selbst im Gedächtnis hatte.

Gerade im Bericht des ersten Vorsitzenden wurden einige schöne Erinnerungen aufgefrischt. Zwischen dem Jahresauftakt mit Musik und dem weihnachtlichen Spielen in Bittenfeld am 24. Dezember ragten die Höhepunkte 1.Mai-Fest und Jahreskonzert gemeinsam mit dem „Sinfonische Blasorchester“ der Stadt Waiblingen sicher heraus. Aber ebenso bemerkenswert waren die beiden Auftritte der jungen in Ausbildung befindlichen Musiker, jeweils zusammen mit dem Gesangverein, einmal bei der Stunde der Herbstmusik im Haus Elim und das andere Mal am dritten Advent beim lebendigen Adventskalender. Es ist wunderbar, wenn Heranwachsende mit so viel Hingabe Freude stiften.

Auch in diesem Jahr fanden wieder Wahlen statt. Sowohl
der 1. Vorstand Gerd Luithardt
die 2. Stellvertretende Vorsitzende Nadja Theophil und
die Schriftführerin Brigitte Schmidt
wurden einstimmig im Amt bestätigt, genauso wie die beiden Kassenprüferinnen. Außerdem wurden die Beisitzer gewählt.

Allen Gewählten möchten wir auf diesem Weg herzlich für die geleistete Arbeit danken. Wir wünschen ihnen für die beginnende 2-jährige Amtsperiode viel Erfolg.

Erinnerung

Die diesjährige Generalversammlung des Musikvereins „Frei weg“ Bittenfeld findet statt

am Sonntag 10.03.2024 um 11.00 Uhr
im Musikheim am Zipfelbach

Wir wünschen uns eine rege Beteiligung. Demokratie ist nämlich kein theoretisches Konzept. Sie muss praktisch gelebt werden. Dafür sollte man sich engagieren, gerne auch in Vereinen. Die Generalversammlung ist die Möglichkeit aller unserer Mitglieder die Aktivitäten und Entwicklungen selber mitzubestimmen. 

Wie wichtig persönliches Engagement für eine Idee ist zeigt der Spielfilm über einen Musiker, der in diesen Tagen in den Kinos gezeigt wird. Der Streifen „One Love“ handelt von Bob Marley und seinem Ideal von Friedlichkeit. In Jamaika seiner Jugendzeit schwelte ein Dauerkonflikt zwischen den beiden größten Parteien des Landes, der sich zunehmend gewaltsam entlud. Um dem ein Ende zu bereiten, sollte ein Friedenskonzert veranstaltet werden, zu dem Bob Marley eingeladen war, weil er in seiner Heimat bereits eine sehr große Popularität genoss. Die Politiker aber, die es gewohnt waren, ihre Interessen mit Gewalt durchzusetzen, wollten das Konzert verhindern. Zwei Tage vor dem Konzert, drangen Unbekannte in das Haus der Familie Marley ein und verletzten durch mehrere Schüsse ihn, seine Frau Rita und den Manager Don Taylor. Taylor und Marleys Frau wurden schwer verletzt, konnten später aber vollständig genesen. Bob Marley erlitt nur leichte Verletzungen an Brust und Arm. Trotz dieses Einschüchterungsversuches trat er bei dem 90-minütigen Konzert auf. Leider brachte es nicht die ersehnte Entspannung. Nachdem es in den folgenden zwei Jahren zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern beider Seiten gekommen war, bat Bob Marley 1978 beim „One Love“ Friedenskonzert in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston den damaligen Premierminister Michael Manley und den Oppositionsführer Edward Seaga auf die Bühne und veranlasste mit sanftem Nachdruck die zunächst widerstrebenden Kontrahenten zum öffentlichkeitswirksamen Händedruck. Die Anhänger beider Parteien stellten daraufhin die gewalttätigen Auseinandersetzungen weitgehend ein.

So dramatisch ist unsere Gegenwart nicht. Unser Engagement für eine Gemeinschaft, in der man miteinander spricht und auf einander hört, mag klein sein. Unbedeutend ist es nicht.

Glenn Miller

Noch eine wirklich wichtige Lehre aus unserem Workshop vom vorvergangenen Wochenende soll nicht vergessen werden. Ein Orchester klingt nämlich dann besonders gut und authentisch, wenn alle seine Musikerinnen und Musiker, den spezifischen Charakter „ihrer“ Musik gleich verspüren. Eine Militärblaskapelle zum Beispiel wird Märsche sicher zackig intonieren, kann dagegen aber einer Polka nicht den rechten Schwung verleihen. Das konnten dafür in fast unnachahmlicher Manier Ernst Mosch und seine Original Egerländer Musikanten. Das Geheimnis: sie spielten die Noten um Winzigkeiten anders, als es eben ein Sinfonieorchester machen würde und erzielten auf diese Weise einen besonderen Klang. 

Einer der den Musikstil Swing in entscheidender Weise mitgeprägte, hätte am morgigen Freitag seinen 120. Geburtstag gehabt, Glenn Miller. Bemerkenswert ist seine frühe starke Leidenschaft für die Musik. Seine Eltern förderten sein Interesse daran nicht und somit auch nicht sein außergewöhnliches Talent. Selber noch klein, gab er jedoch nicht klein bei und kaufte sich im zarten Alter von nur elf Jahren seine erste Posaune mit dem Geld, das er beim Melken von Kühen verdient hatte. Mit diesem Instrument trat er dann dem örtlichen Musikverein bei, wo er endlich die ersehnte Ausbildung erhielt. Zielstrebig setzte er später diesen Weg über das High-School-Orchester fort. Zwar war er noch kein echter Berufsmusiker, konnte aber in jener Zeit so viele Dollar ansparen, um damit einen Teil seines Studiums zu finanzieren. Nach einigen Jahren als Jazzmusiker, in denen er mit damals noch unentdeckten Stars wie Benny Goodman in einer Formation spielte, konnte er mit Anfang 30 endlich sein erstes Orchester gründen. Dem allerdings blieb der Durchbruch versagt, weil es nur eines unter ganz vielen Ähnlichen jener Jahre war. Deshalb beschloss Glenn Miller einen neuen einzigartigen Sound zu kreieren. Heute wissen wir, dass er es schaffte. Das Aufsehenerregende an seiner Musik sind die Arrangements. Nur einen einzigen seiner Hits komponierte er selbst, „Moonlight Serenade“. Seine ganz eigene Genialität bestand aber darin, Stücken anderer Komponisten mit dem Glenn-Miller-Sound einen wunderbaren Spirit einzuhauchen. Mit dem Titel „Chattanooga Choo-Choo“ gewann er am 10. Februar 1942 die erste Goldene Schallplatte der Musikgeschichte überhaupt.

Wenn wir als Musikverein auf diesen Spuren wandeln, dann besteht für uns als musikalische „Vielseitigkeitssportler“ die Herausforderung darin, diesen Spirit in unsere Reihen zu übertragen. Das ist kein Selbstläufer. Aber es ist ein spannendes Unterfangen und eine schöne Erfahrung zu erleben, wie sich etwas Neues formt.

Workshop

Laut Wikipedia ist ein Workshop eine Veranstaltung, in der eine Gruppe interessierter Teilnehmer mit begrenzter Zeitdauer intensiv an einem meist praxisorientierten Thema arbeitet. Früher hätte man schlicht Lehrgang gesagt. Weil aber am vergangenen Wochenende der Jazz, besser gesagt seine spezielle Phrasierung in der Musik das Thema war, ist der englische Ausdruck eigentlich ganz angemessen.

Bereits nach dem Herbstkonzert hatten wir angefangen, uns auf das vergangene Wochenende vorzubereiten. Geeignete Stücke wurden dafür rausgesucht und angespielt. In die engere Auswahl kamen schließlich drei Arrangements, mit denen wir uns intensiver befassten. Gewidmet sind sie den Großen ihrer Zeit und Musik nämlich Count Basie, Glenn Miller und Frank Sinatra.

Was haben wir in den zwei Tagen von Ralf Hesse, über den es übrigens in Wikipedia einen eigenen Eintrag gibt, gelernt? Natürlich hat er uns Tricks empfohlen, bei deren Befolgung man „auf Schlag“ einem Ton – Vokal wie er es nennt – den gewollten Effekt verpasst. Er hat mit uns ebenso über „Konsonanten“ gesprochen, die den tragend klingenden Vokalen die melodische Rhythmik verleihen. Und natürlich wurden die verschiedenen Auslegungen der Notierungen thematisiert. Denn tatsächlich haben Jazz und Swing im Laufe ihrer Entwicklung eine Vielzahl von Dialekten hervorgebracht.

Doch genauso wertvoll wie die anwendungsorientierten Anleitungen war der Gedankenaustausch generell über das gemeinsame Musizieren, das die geschriebenen Noten zwar als Ausgangsmaterial für ein Musikstück betrachtet, doch dem persönlichen Engagement das gleiche Gewicht zumisst. Überspitzt ausgedrückt: trübt ein mit Überzeugung gespielter Fehler den Gesamteindruck weniger als ein zaghafter Vortrag. Wichtig ist und bleibt letztendlich die Lust und Freude am Spiel in und mit der Musik.

Parlez-vous français?

Sprechen Sie Französisch? Nein? Das ist für das Verständnis dieses Artikels auch gar nicht notwendig. Es geht nicht mal um Sprache sondern ausschließlich um die Aussprache, um die Phrasierung, wie Musiker sagen. Technisch ausgedrückt ist die musikalische Phrasierung die Gestaltung der Töne innerhalb eines Motives hinsichtlich Lautstärke, Rhythmik, Artikulation und Pausensetzung. Etwas leichter verständlich wird vielleicht der Vergleich mit Sprachen. Französisch und Deutsch zum Beispiel verwenden beide den gleichen Grundvorrat an Buchstaben. Geschrieben sehen sich beide Sprachen ziemlich ähnlich, nur klingen sie eben recht verschieden. 

In der Musik gibt es ähnliche Phänomene. Es gibt nämlich Aussprachen für Klassik, für Jazz und ebenso für Polka. Die Notenbilder sehen zwar auf den ersten Blick gleich aus. Doch bei der musikalischen Umsetzung entstehen ganz andersgeartete Klangwelten.

Um den Besonderheiten des Jazz gerecht zu werden, der wie vor zwei Wochen hier in dieser Rubrik dargelegt, afrikanische Wurzeln hat, hätte man möglicherweise eine eigene spezielle Notation entwickeln können. Allerdings hat das heutige Notensystem, das sich im Mittelalter herausbildete, eine so universelle und gleichzeitig einfache Struktur, die sich leicht erlernen lässt und die eine umfassende Verbreitung gefunden hat, dass eine echte Jazznotation diesen Musikstil eher in eine Nische gesperrt hätte, als für seinen Erfolg zu sorgen.

So bleibt es Musikern, die sowohl traditionelle Blasmusik als auch Jazz spielen wollen, nicht erspart, beide Phrasierungen zu erlernen und zu üben. Die Musikerinnen und Musiker der aktiven Kapelle unseres Vereins stellen sich dieser Herausforderung. Seit Januar erarbeiten sie sich die Feinheiten und Raffinessen der Jazzphrasierung. Am kommenden Wochenende veranstaltet der Musikverein „Frei weg“ dafür sogar einen extra Workshop mit Ralf Hesse, einem erfolgreichen Jazzmusiker und ausgewiesenem Kenner der Materie.

Polyphonie und andere Quellen

Die harmonische Musik, in der mehrere Stimmen gleichzeitig erklingen, die uns heute so vertraut und alltäglich ist, es gab sie nicht immer. Die Antike brachte unglaubliche Meisterwerke in der Architektur, der Bildhauerei, Malerei, Literatur und Theater hervor. Aber in der Musik hat sie uns nichts dergleichen überliefert. Es ist ein Phänomen und grenzt fast an ein Wunder, dass sich die Polyphonie in Europa ausgerechnet in einem der dunkelsten Zeitabschnitte der Geschichte entwickelt hat, dem frühen Mittelalter. Ökonomisch und kulturell war die Gegend nördlich und westlich der Alpen ein abgelegenes und beinah vergessenes Fleckchen in der Welt. Die Leistungszentren lagen damals am Mittelmeer, im Orient, in Indien und China. Die Melodien und Gesänge, die in den damaligen Hochkulturen als modern galten, mit der die Menschen Feste ausschmückten und ihre Zeremonien feierlich untermalten, gerieten in Vergessenheit. 

Mehrstimmige Musik, die nach den Konzepten der Harmonielehre komponiert wird, mit Intervallen, die in Oktaven unterteilt sind, ist in unseren Tagen Standard. Die Nationalhymnen, egal welchen Staates dieser Erde, gehören dazu. Junge Menschen aus allen Erdteilen lassen sich an Instrumenten und Techniken ausbilden, die zum Beispiel in Symphonieorchestern für den guten Ton sorgen.

Aber Asien, Amerika oder Afrika, wo bleibt deren Einfluss auf die aktuelle Musikszene? Nun zumindest afrikanische Kulturleistungen bestimmen unseren Hörgeschmack stärker, als uns vielleicht immer bewusst ist. Allerdings haben sie den Umweg über Amerika genommen. Die Menschen nämlich, die zur Sklavenarbeit in die neue Welt verschleppt wurden, brachten ihre Tanz- und Liedkunst mit und entwickelten sie sogar weiter. Aus ihrem Blues, aus ihren Liedern, die sie beim Schuften in den Plantagen sangen und den Rhythmen mit der sie Spiritualität auslebten, bildeten die Wurzeln, aus denen sich Anfang des vergangenen Jahrhunderts der neue Musikstil Jazz herausbildete. Wiederum seine Kinder und Enkel wie Dixieland, Swing, Rock und Pop hören wir heute täglich aus allen möglichen Lautsprechern und Kopfhörern. 

Doch was hat es mit Jazz, den man getrost als amerikanisches besser noch afrikanisches Pendant zur klassischen europäischen Musik verstehen kann, auf sich? Worin unterscheidet er sich? Was sind seine Besonderheiten? Diesen Fragen spüren wir bald in dieser Rubrik nach.

In eigener Sache:

Unser diesjähriges Herbstkonzert findet am 24. November statt, nicht wie im Bittenfelder Jahresveranstaltungskalender geschrieben am 17. November. Das ist der Volktrauertag. An jenem Sonntag werden wir unser musikalisches Wirken ganz der Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft widmen.

ZuLaMu

Es ist unbestreitbar, dass sich mit der Entwicklung neuer Kommunikationsformen auch das Zusammenleben der Menschen ändert. Um es konkreter für unsere Tage zu sagen; junge Leute pflegen heute eine große Zahl an Kontakten mit Bekannten und Freunden über soziale Netzwerke. Für Spaß und Zerstreuung in der Freizeit spielen Smartphones und Computer Games eine immense Rolle. Der Bedarf, sich in Vereinen zu organisieren, wird dagegen geringer.

Auf der anderen Seite sind es gerade die Vereine, die abseits der Städte für breites Angebot an Freizeitaktivitäten, Sport und Kultur sorgen und zwar für alle Generationen. Nur unter den zuvor genannten Rahmenbedingungen haben viele Vereine Nachwuchssorgen. Da hilft es schon ein bisschen zu wissen, dass man damit nicht alleine ist. Zum Beispiel auf Verbandstreffen tauscht man sich rege darüber aus.

Doch ebenso an anderer Stelle sind diese Umbrüche aufgefallen. So haben die Hochschule für Musik Freiburg und die Universität Vechta ein Projekt initiiert, das sich mit genau dieser Problematik auseinandersetzt. Gefördert wird es durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Dieses Projekt trägt den etwas sperrigen Namen Zukunft.Land.Musik, kurz ZuLaMu. Nach Eigenaussage „konzentriert es sich auf Musikvereine und Chöre im ländlichen Raum und verfolgt das Ziel, Gelingensbedingungen und Hürden für Transformationsprozesse in der Laienmusikpraxis ländlicher Räume zu identifizieren und zugleich konkrete Transformationsprozesse umzusetzen. Hieraus sollen konkrete Handlungsempfehlungen für eine zukunftsfähige Ensemblepraxis und für wirksame kultur- und regionalpolitische Entscheidungsprozesse abgeleitet werden.“

Der Musikverein „Frei weg“ Bittenfeld möchte bei diesem Anliegen nicht abseits stehen, hat in der Vorbereitungsphase Interesse signalisiert und wurde als einer der wenigen Musikensembles für die Mitwirkung ausgewählt. Ein erstes Vertretertreffen hat bereits in Freiburg stattgefunden. Das nächste folgt in Kürze. Ein Wundermittel wird es nicht geben. Aber Engagement ist in jedem Fall wichtig, damit der ländliche Raum nicht verödet.