Philosophie und Musik

Der runde Geburtstag des Einen liegt gerade ein paar Tage zurück. Der des Anderen wartet bedeutungsschwer am Ende des Jahres. Zwischen diesen zwei Feiertagen liegen 112 Tage. Doch was ist das schon gemessen am vergangenen Vierteljahrtausend. Die Persönlichkeiten, um die es hier geht, eint, dass sie in ihren Wirkungskreisen herausragendes geleistet haben. Kritiker mögen anmerken, dass beider Werk nicht einfach zu verstehen ist. Erst recht die Zeitgenossen hatten ihre liebe Not mit dem Neuen, was da auf sie zukam.

Getroffen haben sich Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Ludwig van Beethoven wahrscheinlich nicht. Doch sicher hatte der große Komponist in Wien vom bemerkenswerten schwäbischen Philosophen in Berlin gelesen. Und mutmaßlich hat sich Hegel beim Hören der damals bahnbrechend neuen Sinfonien zu seinen Gedanken über Kunst inspirieren lassen.

Nach Hegels Auffassung nämlich gibt es drei Kunstformen, die sich in der Weise der Darstellung der „verschiedenen Verhältnisse von Inhalt und Gestalt“ unterscheiden (Vorlesungen über die Ästhetik I). Zu jeder lässt sich eine der fünf Künste zuordnen, die Architektur der symbolischen Kunstform, die Plastik der Klassischen und schließlich Malerei, Musik und Poesie der Romantischen. Und so kommt Hegel zu der Idee, dass „in der Musik der Bezug auf eine Objektivität vollständig aufgehoben sei. Sie ist die subjektivste der Künste; wie keine andere Kunst vermag sie auf den Einzelnen einzuwirken. Sie hebt selbst die flächenhafte Räumlichkeit der Malerei auf und bearbeitet den in der Zeit sich erstreckenden Klang“ (Vorlesungen über die Ästhetik III).

Das alles hört sich ziemlich kompliziert an. Aber ganz falsch liegt Hegel womöglich nicht. Verbinden Sie doch die Weltanschauung des Einen mit der Kunst des Anderen und sinnieren über Hegels Gedanken, während Sie eine romantische Klaviersonate aus Beethovens Feder hören.

Wir dagegen machen Musik ganz konkret im Verein. Am Freitag geht es wieder los.

Musikstunde der aktiven Kapelle
freitags von 20:00 bis 22:00 Uhr
im Musikheim am Zipfelbach

Selbstverständlich unter strenger Einhaltung aller Hygieneregeln, um die Gesundheit unserer Musiker*innen nicht zu gefährden.

Wer wagt, gewinnt

Nun gut, sicher war auch etwas Fortune dabei, vielleicht sogar das Glück der Tüchtigen. Denn bevor es losgehen konnte, unser angekündigtes Konzert im Biergarten, sprachen doch einige Umstände dagegen. Wer nämlich in den letzten Tagen die Wetterprognosen verfolgte, konnte eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass des Gärtners Freud, des Musikers Leid werden würde. Außerdem brachten die aktuellen Hygienevorschriften, die unser aller Sicherheit dienen, manche das gemeinsame Musizieren erschwerende Umstände mit sich, wie zum Beispiel die sehr kurze Vorbereitungszeit im Orchester. Und schließlich muss man im Sommer 2020 immer mit plötzlichen gesundheitsbedingten Absagen rechnen. Tatsächlich mussten Musikkameraden, die sich ebenso wie wir auf den Auftritt gefreut hatten, wegen Krankheit absagen, aber wenigstens nicht wegen Covid-19.

Zu guter Letzt jedoch gab es viele zufriedene Gesichter.

Wir erlebten gemeinsam einen stimmungsvollen ökumenischen Gottesdienst, bei dem die Würdigung der Trainees eine wichtige Rolle spielte und den die Aktiven des Musikvereins musikalisch begleiten durften.

Danach gab es reichlich Gelegenheit zur Unterhaltung. An den Tischen wurde – bei guter Verpflegung – viel Gesprächsstoff ausgetauscht. Offensichtlich wurde dennoch der Musik gelauscht und die Melodien genossen, denn wir bekamen ergiebig Beifall.

Deshalb sind auch wir froh, dass wir unseren Besuchern Freude bescheren durften.

So wünschen wir allen Bittenfeldern und Gästen unserer schönen Gemeinde unbeschwerte Sommertage mit hoffentlich vielen positiven Überraschungen.

Und wo wir schon beim Thema hoffnungsfrohe Zukunft sind. Unser Jugendkonzert am Sonntag zuvor, können wir gleichfalls als Erfolg verbuchen, denn es war ebenfalls gut besucht und macht einfach Lust auf Mehr.

Nur wenn die Sonne scheint

so heißt es auf unseren Bekanntmachung zum

Biergarten – Konzert
auf dem Gelände am Musikheim am Zipfelbach
am 26. Juli
Gottesdienst um 10:30 Uhr
Unterhaltungsmusik ab 12:00 Uhr

Wie wir das meinen? Nun, mit Hinblick auf die derzeitige Covid-19-Situation und vor allem aus Respekt vor unseren Gästen und Zuhörern sowie in Sorge um ihre Gesundheit können und wollen wir kein Konzert in einem geschlossenen Saal veranstalten.

Andererseits ist es wieder an der Zeit, Kultur in das Leben unserer Gemeinde zu holen. Als Kompromiss spielen wir Musik unter freiem Himmel und sind deshalb auf entsprechend gutes Wetter angewiesen. Bei Regen müssen wir leider absagen.

Außerdem gelten selbstverständlich die aktuellen Hygieneregeln. Konkret bedeutet das, dass sich Besucher beim Veranstalter Florian Lübbe in eine Liste eintragen, damit im ungewollten Fall der Fälle eine Verfolgbarkeit der Kontakte gewährleistet ist. Außerdem ist die Anzahl der Besucher auf maximal 99 Anwesende begrenzt. Die Bestuhlung erfolgt, soweit Platz ist, mit dem notwendigen Abstand.

Ikonen

Die eigentliche Grenze ist schwer zu finden. Doch ab einem bestimmten Jahrgang kennt die Mehrzahl der Mädchen und Jungen zwar ein Icon und dies als Symbol für eine App. Hingegen können sie kaum etwas mit einer Ikone anfangen, der besonders in der Orthodoxen Kirche eine besondere Kraft zugemessen wird. Dabei ist die Bedeutung hier wie dort die gleiche, denn es handelt sich in beiden Fällen um ein Abbild, um eine Art Stellvertreter des Originals. Interessant ist die Verwendung des Begriffs in der neueren Zeit, wenn herausragende Künstler zu Ikonen ihrer Gattung stilisiert werden.

Auch der Juli 2020 bietet Gelegenheit, sich Ikonen der Musik ins Gedächtnis zu rufen. Aktueller Anlass für diese Überlegungen ist die Nachricht vom Tod eines wunderbaren zeitgenössischen Komponisten. Ennio Morricone hat eine ganze Epoche der Musik für das Kino geprägt. Und obwohl seine Werke auf den Spielplänen der Konzerthäuser seltener zu finden ist und in den Klubs bei den Feiern der Jugend so gut wie nie aufgelegt wird, sind die Soundwelten, die seiner Phantasie entsprangen, nichts anderes als populär zu bezeichnen. Die wenigen unter uns, die die Filmmusiken zum Italowestern-Klassiker „Zwei glorreiche Halunken“ oder zum Western-Epos „Spiel mir das Lied vom Tod“ bisher nicht kennen sollten, sei empfohlen, sich unverzüglich mit diesen unter die Haut gehenden Melodien ein besonderes Hörerlebnis zu verschaffen. Das aktive Orchester unseres Vereins hatte sich im Jahr 2018 das Vergnügen der Beschäftigung mit diesen Hits gegönnt und dann im Herbstkonzert mit großem Beifall aufgeführt.

Ein Medley mit Songs der Beatles gehört gleichfalls zu unserem Repertoire. Gerade weil wir wissen, wie wertvoll ein guter Schlagzeuger für das Zusammenspiel und Klang des ganzen Ensembles ist, möchten wir hier unbedingt an das Jubiläum zum 80sten Geburtstag Ringo Starrs dieses originellen Drummers der Pilzköpfe aus Liverpool erinnern, das am 07.Juli gefeiert wurde.

Zum Trio der Woche wollen wir außerdem Carl Orff dazugesellen, dessen Geburtstag sich am 10.Juli zum 125sten Mal jährte. Bisher haben wir keines seiner Werke aufgeführt. Doch die Kante „Carmina Burana“ gehört allemal zu den ungewöhnlichsten Blüten in den Weiten der musischen Flora.

Am Anfang ihrer Reise durch die phantastische Welt der Musik stehen die jungen Künstler, die beim

Jugendkonzert
im Musikheim am Zipfelbach
am 19. Juli
Beginn 16:30 Uhr

auftreten werden. Wir bitten die Gäste, sich vorab bei unserem Jugendleiter Thorsten Wolf per E-Mail anzumelden unter: mvb-jugendleiter@bittenfelder.com.

Mozart hätt es nie gegeben,

wenn nicht ein musikkundiger Vater auf das außerordentliche Talent seines Sohnes aufmerksam geworden wäre und es früh gefördert hätte. Gleichwohl wer von uns weiß schon, wie viele Hochbegabte überhaupt unentdeckt bleiben. Also wir vom Musikverein „Frei weg“ sind der Meinung, dass Kinder sich möglichst vielseitig ausprobieren dürfen sollen. Es muss ja nicht in jedem ein Mozart stecken, auch ein kleiner Beethoven oder Freddy Mercury würde die Musikwelt fraglos bereichern. Doch Scherz beiseite, die jungen Bittenfelder Musiker haben der gegenwärtigen C-Krise getrotzt, fleißig geübt und etwas erarbeitet, das nun darauf wartet, einem Publikum präsentiert zu werden. Dafür veranstalten wir das

Jugendkonzert
im Musikheim am Zipfelbach
am 19.Juli
Beginn 16:30 Uhr

Damit das Konzert ausschließlich eine Quelle der Freude wird, nehmen wir unsere Verantwortung war und bitten die Gäste, sich beim Jugendleiter Thorsten Wolf per E-Mail anzumelden unter: mvb-jugendleiter@bittenfelder.com

Außerdem werden wir auf eine eigene Bewirtung mit Kaffee und Gebäck verzichten. Aber da gibt es ja zum Glück den Wirt Florian Lübbe im Musikheim am Zipfelbach, der unter Einhaltung der derzeit gültigen Regeln Speisen und Getränke anbietet.

Übrigens war Mozart das vielleicht bekannteste jedoch nicht das einzige Wunderkind. In unseren Tagen werden zum Beispiel Yehudi Menuhin oder Anne Sophie Mutter dazugezählt. Erfunden hat den Begriff Immanuel Kant. Er nannte den 1721 geborenen Christian Heinrich Heineken, der zweijährig schon Lateinisch und Französisch beherrschte und mit drei Jahren eine Geschichte Dänemarks verfasst haben soll sowie außerdem in Mathematik brillierte, ein „frühkluges Wunderkind von ephemerischer Existenz“. Allerdings hat der Begriff Wunderkind mit der Zeit einen Beigeschmack bekommen. Literarisch wunderbar zugespitzt hat das Thomas Manns in seiner Erzählung „Das Wunderkind“.

Wir vom Musikverein sind der Auffassung, egal ob Wunderkind, talentiert oder einfach nur musikalisch interessiert, wichtig ist die Freude, die Musik bereitet. Das ist unser Anliegen. Ganz in diesem Sinne, werden wir auch weiterhin jede Gelegenheit nutzen, diese Freude mit Ihnen zu teilen.

Wellen

Wellen sind ja in letzter Zeit in aller Munde. Momentan lässt die sogenannte zweite Welle in der Covid-19-Krise ausreichend Raum für Spekulationen.

Überhaupt übten und üben besondere Wellen schon immer eine große Faszination auf Menschen aus. Waren es in alten Zeiten die unergründlichen ewigen Wellen von Ebbe und Flut oder die bei Seeleuten legendären Kaventsmänner, so sind es heute die in Surferkreisen geheimnisumwitterten „Berüchtigten Sieben“ wie die „Nazaré“ vor der Küste Portugals oder die „Teahupo’o“ an einem Korallenriff vor Tahiti, die für entsprechenden Gesprächsstoff sorgen. Vor 170 Jahren setzte Iwan K. Aiwasowski ein auf der Krim geborener russischer Maler armenischer Abstammung der sogenannten Neunten Woge ein Denkmal. Im beeindruckenden Gemälde gleichen Namens greift er die alte Seefahrerlegende auf, dass nach einer Anzahl ohnehin gewaltiger Brecher ausgerechnet die neunte ihrer Art, den endgültigen Untergang herbeiführt.

In der moderneren Musikgeschichte brachten die 70-ziger Jahre aus England einen Musikstil, der als New Wave bezeichnet wurde. Hierzulande hatten wir zehn Jahre später die Neue Deutsche Welle, die seinerzeit ein paar amüsante und eingängige Hits hervorbrachte, die nun aber bereits schon wieder fast vergessen sind. Keine Mode besteht eben ohne Wellenbewegung.

Auch Musik ist natürlich ohne Wellen undenkbar. Schließlich sind es die Schallwellen, die den Klang ins Ohr tragen. Und während Mediatoren und Vermittler in manch hitzigen Situationen die Wogen glätten müssen, wollen Musiker mit ihrer Kunst für Wellen der Begeisterung sorgen. Die Jugendkapelle und die Aktiven des Musikvereins „Frei weg“ Bittenfeld machen da keine Ausnahme. Deshalb üben wir fleißig, damit uns Corona nichts anhaben kann und wir zum gegebenen Zeitpunkt wieder vor Publikum auftreten können. Ein erster Schritt aus der Isolation ist jetzt endlich die Wiederaufnahme des Probenbetriebs der Juka und ebenso des aktiven Orchesters, mit entsprechendem Hygienekonzept versteht sich. Schließlich wollen wir die anfangs genannte Zweite Welle nicht riskieren.

Träumereien

Das Jahr ist schon fast zur Hälfte rum und wir müssen noch immer fast bis Weihnachten warten, um das große Musikerjubiläum 2020 auf den Punkt zelebrieren zu können. Jedoch bereits in dieser Woche konnten wir einen besonderen Jahrestag feiern, der einem anderen Großen der Zunft gewidmet ist.

Der Komponist, um den es heute geht, ist einer der bedeutendsten Vertreter der Musikrichtung der Romantik. Am Montag den 08.Juni war der 210. Geburtstag Robert Schumanns. Die Musikwelt verdankt ihm wundervolle und eingängige Melodien wie die Träumereien aus dem Zyklus „Kinderszenen“, der insgesamt aus dreizehn kurzen Klavierstücken besteht. Die waren entgegen der landläufigen Auffassung eigentlich nicht für Kinder gedacht, sondern nach Schumanns eigenen Worten als „Rückspiegelung eines Älteren für Ältere“ komponiert. Denn es irrt, der meint „… ich stelle mir ein schreiendes Kind hin und suche die Töne danach. Umgekehrt ist es; die Überschriften entstanden natürlich später und sind eigentlich nichts als feinere Fingerzeige für Vortrag und Auffassung.“

Obwohl Robert Schumann in seiner Düsseldorfer Zeit als Städtischer Musikdirektor für den dortigen „Allgemeinen Musikverein“ ein Orchester leitete, hat er für Blasorchester im engeren Sinne keine Werke verfasst. Als Ausnahme kann man das „Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester F-Dur op. 86“ ansehen, das unsere aktive Kapelle allerdings noch nicht aufführte, weil bei uns eben keine vier Hörner besetzt sind. Wenigstens haben wir uns vor vier Jahren dieses Bravourstück bei einem gemeinsamen Konzertbesuch in Ludwigsburg angehört. Wer damals dabei war, wird sich sicher erinnern.

In Sängerkreisen sind Lieder aus der Feder Robert Schumanns allerdings recht populär, auch wenn ihr Schwierigkeitsgrad nicht zu unterschätzen ist. Die Sängerinnen und Sänger des Gesangvereins „Eintracht“ Bittenfeld erfreuten das Konzertpublikum unserer Gemeinde mit „Schön Blümelein op. 43 Nr. 3“ und „Zigeunerleben op. 29 Nr.3“

Nun bis zum nächsten Konzert des Musikvereins „Frei weg“ ist es noch ein Weilchen hin. Vorläufig beschäftigt uns automusikalisches Training mit der Festzeltmappe. Doch nach den Ferien werden wir den Probenbetrieb wieder hochfahren.

Mariechen saß weinend im Garten

Nein, heute soll es nicht um die dramatische Schilderung einer krankheitsbedingten Selbstisolation gehen, wie sie dieser Tage von einigen Menschen dramatisch beklagt wird, sondern um eine bizarre Blüte gesungener Musik.

Der Musik und insbesondere dem Gesang begegnen die meisten Menschen ja nicht nur als passive Zuhörer sondern ebenso als Akteure. Gerade in alltäglichen Situationen verleihen uns ungenutzte Ressourcen jene musischen Flügel, die uns Freude an selbstgemachter Musik unmittelbar spüren lassen. Als Beispiel genannt seien hier das Trällern unter der Dusche, dargebracht von gutgelaunten Föndiven und Badewannencarusos oder das Intonieren beliebter Melodien in nicht enden wollenden Fahrten, vielleicht befeuert durch ein Autoradio. Dazu gehören aber auch traditionelle Lieder, die aus Zeiten stammen, als die Küchen noch nicht voller hochentwickelter Automaten waren und viele Tätigkeiten von Mann und damals überwiegend noch von Frau mühsam und zeitraubend in Handarbeit erledigt werden mussten. Der Herd als Ort kulinarischer Selbstverwirklichung war noch nicht der Gegenentwurf zu stupider Bürotätigkeit. Im Gegenteil, die Zubereitung der täglichen Verpflegung konnte gerade in gehobenen Haushalten so aufwendig und anstrengend sein, dass man sie gerne häufig schlecht bezahlten Köchinnen, Mamsellen und Dienstmädchen überließ. Die armen Mägde weinten dabei nicht nur über ihr Los oder beim Zwiebelschneiden, sondern genauso über rührselige Texte sogenannter Küchenlieder. Jedoch anders als die Aufführungsorte dies vermuten lassen, entstanden jene Werke nicht im Volksmund. Tatsächlich entstammten die Lieder oft bürgerlicher Salonmusik, für die sie von zumeist zweit- oder drittrangigen Dichtern und Komponisten als Kunstlieder im romantisierenden Volkston verfasst worden waren. Heute (gerade) noch bekannte Beispiele dieser Musikrichtung sind neben dem Titel in der Titelzeile „Sabinchen war ein Frauenzimmer“ oder „Müde kehrt ein Wandersmann zurück“. Doch alle drei finden sich nicht in unseren Notenmappen. Denn wenn der Musikverein aufspielt und bei uns die Grillzange geschwungen wird, dann wollen wir keine rührselige Sentimentalität. Im Gegenteil, unser Anliegen ist gute Stimmung.

Bis wir wieder öffentlich zu hören sind, proben wir fleißig daheim aber recht selten in der Küche.

Sprache & Musik

Die Musik als universelle Weltsprache, die von jedem verstanden wird, ist eine gern gebrauchte Metapher. Schließlich ist dies auch leicht nachvollziehbar, weil keiner Probleme hat, zum Beispiel Situationen in Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ nachzuempfinden. Es sind eben keine in Italienisch geschriebenen Noten, die da zu uns sprechen, sondern Klangwelten und Emotionen, wie wir sie alle schon mal erlebt haben. Das Traurige, das Fröhliche, das Wütende und das Beruhigende spürt jeder. Selbst die Gemütslage kleiner Kinder lässt sich von Musik beeinflussen.

Andersherum kann man aber Sprache nicht einfach in der Musik hörbar machen. Sicher es gibt Lieder, Arien und Songs mit Texten. Jedoch das Typische und Markante uns sogar bekannter Sprachmelodien wie des Italienischen, Chinesischen oder Schwäbischen mit Instrumenten einzufangen, ist beileibe kein einfaches Unterfangen.

Wenn man hingegen den Kreis etwas weiter zieht, dann gibt es doch ein paar wunderbare Interpretationen von erkennbaren Sprachen, allerdings sind es die von Tieren.

Ludwig van Beethoven, um mit dem diesjährigen Jubilar zu beginnen, lässt in seiner 6.Symphonie – der Pastoralen – einen Vogelstimmenchor erschallen. In der Coda des zweiten Satzes wird unmissverständlich der Ruf von Nachtigall, Wachtel und Kuckuck wiedergegeben. Die Nachtigall wird dabei von der Flöte, die Wachtel von der Oboe sowie der Kuckuck von zwei Klarinetten dargestellt. Diese Zuordnungen wurden von Beethoven selbst explizit in die Partitur eingetragen. Und Karl Maria von Weber erzeugt gerade mit Hilfe imitierter Uhu-Rufe in seinem Freischütz die richtige Waldesstimmung. Ob Haendel, Haydn oder Strauss, sie alle haben mitunter Hunde, Kühe und Schafe in ihren Werken zitiert.

Aber zurück zu Stimmungen und Stimmung in der Musik und somit zurück zu unserem Verein. Wir hoffen, bald den Bittenfeldern wieder musikalische Freuden bereiten zu können. Bis es soweit ist, üben wir im Homestudio.

Im Tempo unserer Zeit

„Wie sehr auch Euer Innres widerstrebe,
Gehorcht der Zeit und dem Gesetz der Stunde!“

Es immer wieder erstaunlich, welche zeitlosen und klugen Worte Friedrich Schiller fand, um uns im Trubel des Alltäglichen auf Grundsätzliches hinzuweisen. In der Tat wirken manche Versuche, sich dem Diktat der Zeit zu entziehen, ziemlich bizarr. So überraschte der Streamingdienst Netflix im Herbst vergangenen Jahres mit dem Plan einer neuen Funktion, mit der sich die Filme samt Ton in 1,5-facher Geschwindigkeit abspielen lassen. Die Möglichkeit „Zeit zu sparen“ scheint verlockend. Der Mafia-Film „The Irishman“ zum Beispiel ließe sich auf diese Weise deutlich schneller als in den vorgesehenen dreieinhalb Stunden bewältigen. Und für alle Staffeln der Netflix-Serie „House of Cards“ benötigte man nur 55 statt 73 Stunden.

Bei Filmkünstlern allerdings kam diese Turbo-Funktion gar nicht gut an. Schließlich wird das jeweilige Werk dann nicht mehr so betrachtet, wie der Regisseur es vorgesehen hatte. Pixar-Regisseur Brad Bird („Die Unglaublichen“) machte seinem Unmut auf Twitter Luft: „Eine weitere spektakulär schlechte Idee und ein weiterer Schlag gegen das ohnehin schon ausblutende Kino-Erlebnis.“ Auch „Spider-Man“-Macher Peter Ramsey verabscheut die neue Funktion: „Wollen ‚Kunden‘ auch 1,5 mal schneller essen oder Sex haben? Muss alles auf die Faulsten und Geschmacklosesten ausgelegt werden?“

Warum diese Gedanken hier in dieser Rubrik besprochen werden? Nun weil auch in der Musik die Zeit beziehungsweise die Geschwindigkeit – unser Maß sie zu erleben – eine immense Bedeutung haben. Ausgerechnet in einer so entschleunigten Phase wie den letzten Wochen, in der man auf so manche gewohnte Aufgabe und Zerstreuung verzichten musste, konnte man schon mal auf den phantastischen Gedanken verfallen, nun all die Musik zu hören, für die man sich bis dato nie genug Zeit genommen hatte, je mehr desto besser. Aber gerade beim Medium Musik, das wie kein zweites unsere Gefühle anspricht, wären die Verluste größer als der Gewinn. Denn Gefühle brauchen ihre Zeit, um sich zu entwickeln. Was nutzt das kalte Abhaken endlich dieses oder jenes Werk erledigt zu haben, wenn man genau das, wofür es komponiert wurde, nicht mehr fühlen und erleben kann?

Übrigens gehört der Marsch „Im Tempo unserer Zeit“ von Vaclav Vackar zum Repertoire unserer aktiven Kapelle. Noch üben ihn die Musiker jeder für sich daheim. Aber sobald es geht, wollen wir damit wieder in aller Öffentlichkeit für gute Laune sorgen.