Ach manchmal ist es schwer. Mozart ist tot. Beethoven ist tot. Und mir ist auch schon ganz komisch.
Ein alter aber beliebter Scherz unter Musikern. Was uns dabei am meisten aufhorchen lassen sollte, ist der Umstand, dass man sich bei der Nennung großer Komponisten immer auf längst vergangene Zeiten bezieht. Gibt es denn unter den jetzt Lebenden keine Großen ihrer Zunft?
Diese Frage ist sicher nicht ganz gerecht, denn die Popularität der Musik hat heute fürwahr andere Dimensionen erreicht als zu Zeiten unserer Vorväter. Wir konsumieren erheblich mehr Musik, als je zuvor Menschen es getan haben. Und die aktuellen Musikschaffenden sind quasi in aller Munde. Doch wer möchte Lady Gaga mit Richard Wagner oder Johann Strauss gleichsetzen?
Wenn jemand vor 300 Jahren neue und aktuelle Musik hören wollte, musste er zum Beispiel zum Kantor Johann Sebastian Bach in die Thomaskirche zu Leipzig gehen. Aufgabe dieses Postens war es nämlich, jeden festlichen Gottesdienst mit etwas Neuem zu verschönern. Altes hat man nicht noch mal vorgekramt. Haben die Zeitgenossen die Uraufführung der Matthäus-Passion als epochales Werk erlebt?
Die Zeit Bachs war musikalisch bestimmt nicht weniger kreativ, als wir es aus den Medien erleben, wo es jeden Tag Neuerscheinungen gibt. Aber nicht alles überdauert eben. Vieles versinkt in den Sedimenten der Geschichte. Was wird man in 300 Jahren hören?
Musik ist auch heute vielschichtiger als die Hitparaden oder der European Song Contest. Nur die Gelegenheiten, sich mit der ganzen Bandbreite aktueller Musik zu befassen, sind selbst im Jahr 2012 nicht so reichlich gesät wie schon 1712. Nach Leipzig muss man dafür nicht fahren.
Der Musikverein „Frei Weg!“ Bittenfeld bietet beim
Jahreskonzert
am 02. Dezember 2012
in der Zehnscheuer Bittenfeld
eine vortreffliche Möglichkeit dazu. Neben Evergreens werden wir auch Neues vorstellen. Oder kennen Sie Werke André Waigneins schon? Nein nicht? Geboren am 28. Januar 1942 in Mouscron, Belgien leitet er zurzeit das Musikkonservatorium von Tournai und ist Professor für Harmonielehre am Königlichen Konservatorium in Brüssel. Seine Kompositionen wurden bereits mit zahlreichen Preisen (u. a. Preis der European Union of Radio Broadcasting und der Preis der S.A.B.A.M.) und Auszeichnungen versehen und machten ihren Weg inzwischen auf die Notenpulte von Blasorchestern rund um den Globus. Wir werden unser Konzert mit einer Ouvertüre beginnen, die 2004 den 1. Platz beim Band Composition Contest for Grade Il Concert Band gewonnen hat.
