Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuß der ganzen Welt!

Gefühlt nähert sich das Jahr seinem dramatischen Höhepunkt. Zumindest die Freunde der Musik – insbesondere der Klassischen – haben ihn seit Jahresanfang fest im Blick gehabt. Nun ist er endlich da der 250-te Geburtstag Ludwigs van Beethovens an genau diesem Donnerstag. Es ist ein guter Anlass, festliche Musik des Meisters zu hören. Vielleicht passt gerade diese letzte Sinfonie, die Beethoven vollende konnte, in dieses Jahr, in diese Tage. Erinnern wir uns; ausgerechnet dieser große Tonkünstler verlor durch eine Krankheit sein Gehör. Das hat ihm nicht wenige bittere Stunden bereitet. Und doch ist sein großes Abschiedsgeschenk an die Menschheit, sein Vermächtnis an uns ein Hohelied auf das Schöne. Seit 196 Jahren fordert der Schlusschorus seiner Neunten alle Hörer auf, die Freude zu feiern. Und damit seine Botschaft auch unmissverständlich sei, hat er sie sogar mit einem Text unterlegt. Nicht mit irgendeinem Text sondern mit Schillers Ode an die Freude. So entstand ein Kunstwerk zweier kongenialer Giganten, das uns noch heute berührt.

Bemerkenswert, so einen Bruch sinfonischer Gepflogenheiten hatte vor ihm keiner gewagt. Ja Beethoven selbst stand fast die gesamte Zeit seiner künstlerischen Entwicklung einer zu bildhaften Interpretation seiner Werke kritisch gegenüber. Doch bei dieser seiner Herzensangelegenheit übersprang er seinen eigenen Schatten.

Hier im Blättle können wir die überwältigenden Emotionen jener Klänge nicht erwecken. Wenigstens können wir die ersten Zeilen aus diesem Hymnus an dieser Stelle zitieren:

„O Freunde, nicht diese Töne!
Sondern laßt uns angenehmere
anstimmen und freudenvollere.
Freude! Freude!
Freude, schöner Götterfunken,…“

Falls diese Worte in Ihnen die Lust reifen lassen, sich die Sinfonie umgehend anzuhören und nicht erst bis zum Konzert an Sylvester zu warten, dann nur zu. Betreten Sie das Elysium und fühlen sich eingebunden in eine riesige Schar gleichgesinnter und gleichfühlender. Das ist sicher wohltuend in einer Phase eingeschränkter sozialer Kontakte.

Leider können die Musiker*innen unseres Vereins Ihnen nicht selber die traditionelle Einstimmung auf das Fest bescheren, die Sie an Heilig Abend erwarten.

Aber über die Musik bleiben wir Ihnen verbunden.

Bleiben Sie wohlbehalten und gesund.