Kunst ist ohne Zweifel in der Lage, Wahrhaftiges hervorzubringen. Aber kann Kunst auch Wirklichkeiten erschaffen, die ohne sie gar nicht existieren würden?
Friedrich Schiller kommt in seiner Ballade „Die Kraniche des Ibykus“ zum dramatischen Höhepunkt mit den Zeilen:
„Und zwischen Trug und Wahrheit schwebet
Noch zweifelnd jede Brust und bebet
Und huldiget der furchtbarn Macht,
Die richtend im Verborgnen wacht“
Sie beschreiben den mystischen Augenblick nach der Aufführung des letzten Dramas eines Dichters, der heimtückisch ermordet wurde. Den einzigen Zeugen dieser Missetat – vorüberziehenden Kranichen – überlässt er die Sühnung derselben. Die Rache erfüllt sich im Theater, wo sich die Mörder durch das wundersame Erscheinen der Kraniche selbst verraten.
Was für Schiller vor 225 Jahren noch lyrisches Gedankenexperiment war, gelang im Jahr 1965 mit dem Film „Alexis Sorbas“ der zufälligerweise ebenfalls in Griechenland spielt. Der Film wurde zum Welterfolg. Das Kunstwerk wurde für insgesamt sieben Oscars nominiert und erhielt schließlich drei davon. Merkwürdigerweise keinen für die Filmmusik, obwohl gerade diese noch größere Popularität erlangte als der Film selbst. Die von Mikis Theodorakis komponierte Titelmusik und zugleich die Melodie des Sirtakis am Ende des Films erreichte in einigen europäischen Ländern die Höchstposition der Charts. In den Niederlanden war das Lied sogar die Nummer eins der Jahreshitparade.
Allerdings ist eben gerade dieser berühmte Sirtaki eine künstliche Vereinfachung einiger griechischer Volkstänze. Sie war notwendig, um die komplizierten Schrittfolgen für den mexikanisch-US-amerikanischen Hauptdarsteller Anthony Quinn tanzbar zu gestalten. Jedoch ist diese Adaption so gut gelungen, dass eigentlich jeder Nichtgrieche, diese Melodie für Volksmusik hält und nicht wenige gerne mittanzen, wenn sich die Gelegenheit bietet.
Wir hoffen, dass sich die Besucher bei unserem diesjährigen
Herbstkonzert
am 20.November
von den erdichteten Welten, die dort musikalisch vortragen werden, genauso einfangen und begeistern lassen. Seien es die phantastischen Märchenwelten oder eine Zeitreise in die die Achtziger. Phantasieanregend ist jede Musik.
