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Alte Musik?

Bei der Musik verhält es sich wie mit Tageszeitungen. Jede aktuelle Meldung lässt das Bisherige alt aussehen. Das gilt erst recht in unserer Zeit der neuen Medien, die im World Wide Web unablässig und rund um die Uhr im Sekundentakt Neuigkeiten, Bilder und bisher Ungehörtes gebären. In früheren Zeiten war es vielleicht nicht ganz so geschwind. Aber schon in Vorzeiten war es üblich, dass Musiker, die etwas auf sich hielten, ständig darum rangen, mit stets neuen eigenen Werken ihren Gönnern zu gefallen. Deshalb wirkte es wohl sehr befremdlich, dass ein erfolgreicher Komponist, wie es Felix Mendelssohn Bartholdy in seiner Epoche zweifellos war, in Archiven nach alten Noten kramte und sogar Konzerte organisierte, um sie nach jahrhundertelangem Vergessen wieder zu Gehör zu bringen. Sein damals revolutionärer Ansatz, Kompositionen „verschollener“ Komponisten wieder aufzuführen, bietet uns die heute selbstverständliche Gelegenheit, Werke von Johann Sebastian Bach oder Georg Friedrich Händel zu genießen und uns ihre musikalischen Ideen zu erschließen.

Überhaupt ist die Inspiration durch ungewöhnliche Aspekte, die eben auch Musik bietet, die man nicht alltäglich in den Kopfhörern hat, eine Erweiterung des eigenen Horizonts. Das Schlüsselwort dabei ist Toleranz. Man benötigt sie, um die Welt zu verstehen und zu akzeptieren, auf die man trifft, wenn man seine eigene Wohlfühlnische verlässt. Toleranz erlernt man nicht durch Verbote und den erhobenen Zeigefinger. Sie lässt sich jedoch trainieren. Intoleranz und Angst überwindet man durch Kontakt mit dem bis dato Unbekannten. Die Beschäftigung mit Musik fernab der gängigen Charts und Playlists ist also ein Baustein in der Entwicklung einer gefestigten Persönlichkeit. Neben dem Musikunterricht in der Schule bietet das Erlernen eines Instrumentes in einem Verein wie dem unseren die Chance, sich neue kulturelle Welten zu erschließen. Für Schulanfänger und Vorschulkinder ist die

Blockflötengruppe des Musikvereins,
die ab Oktober startet,

ein erster Schritt in diese Richtung.

Wunderkinder entdecken

Wunderkinder gibt es mehr, als Mann oder Frau so allgemein erwarten. Sicher fällt einem bei dem Begriff zuerst der überragende Komponist Wolfgang Amadeus Mozart ein. Aber auch von Ludwig van Beethoven ist bekannt, dass er bereits als Kind sein unglaubliches Talent unter Beweis stellen konnte. Schließlich gab es noch die „Bartholdy Wunderkinder“ nämlich die Geschwister Felix und Fanny Mendelssohn Bartholdy. Überliefert ist, dass der Komponist und Musikerzieher Karl Friedrich Zelter – ein Gönner der Familie – der andererseits freundschaftlich mit dem schon damals weit berühmten Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe verbunden war, diesen gemeinsam mit seinem 12-jährigen Schüler Felix Mendelssohn Bartholdy besuchte. Der alte Herr – immerhin 60 Jahre älter als sein junger Gast – war von jenem ganz entzückt und versuchte ihn herauszufordern. „Da habe ich einiges aus meiner Manuskriptsammlung geholt. Nun wollen wir dich prüfen. Wirst du das hier spielen können?“ Er legte ihm Originalmanuskripte von Mozart und Beethoven vor und Felix spielte die nicht leicht zu lesenden Noten mit voller Sicherheit vom Blatt. Stundenlang konnte der alte Geheimrat dem Spiel des Kindes am Flügel zuhören. Am Schluss des Besuchs versicherte er dem jungen Felix: „Du hast genug, halt´s fest!“

Alle diese Wunderkinder haben gemeinsam, dass sie in Familien hineingeboren wurden, die ihre Talente von klein auf erkannten, förderten und ihnen eine umfassende musikalische Ausbildung ermöglichten. Wie viele Wunderkinder blieben hingegen unentdeckt. Nicht alle Mädchen und Jungs haben musikalisch ausgebildete Eltern. Aber eigentlich ist das auch gar nicht erforderlich. Es genügt, wenn fürsorgliche Eltern oder Großeltern den lieben Kleinen die Möglichkeit gewähren, ganz spielerisch ihre Begabungen zu erproben. Was die musikalischen Geschicke betrifft, ist die 

Blockflötengruppe des Musikvereins,
die ab Oktober startet,

eine wirklich gute Gelegenheit. Denn zum einen, weil die Musik hier in Bittenfeld spielt, entfallen lange Wege. Außerdem treffen die Kinder Gleichaltrige, die sie vom Kindergarten oder Spielplatz bereits kennen.

Sicher, nicht aus jedem Kind, wird ein neuer Mozart erwachsen. Was aber bleibt, ist die Ausbildung eines feinen Gehörs, das Training der Feinmotorik sowie eine gute Zeit mit Spaß und Musik für die Kinder.

Et les oiseaux chantaient

Unter den Freunden des guten Klangs währt eine scheinbar ewige Dissonanz, welche Melodien wohl höher zu werten seinen. Sind es die Künstlichen, die von Generationen von Komponisten hervorgebracht wurden und die in uns Menschen die besten Saiten zum Schwingen bringen? Oder sind es jene Natürlichen, die von Wind und Wellen sowie allerlei Lebewesen intoniert werden. Gerade die Singvögel sind hierbei an erster Stelle zu nennen. Denn jedes Jahr im Frühjahr berauscht uns das Trällern unserer befiederten Nachbarn. Zugegeben, diese Entscheidung ist schwer und wahrscheinlich auch von der jeweiligen Stimmung abhängig. 

Deshalb verwundert es nicht, dass sich bereits etliche Musikschaffende daran versuchten, das Lieblichste der Natur in ihren Werken hörbar zu machen. 

Im einfachsten Fall sind es spezielle Flöten, die, wenn man sie anspielt, täuschend echte Vogelstimmen imitieren. Es gibt aber ebenso auskomponierte Vogelmelodien. Als Beispiel mag Beethovens 6. Sinfonie dienen. Dem Meister selbst werden für dieses Werk folgende Worte zugeschrieben: „Hier habe ich die Szene am Bach geschrieben, und die Goldammern da oben, die Wachteln, Nachtigallen und Kuckucke ringsum haben mitkomponiert.“

Allerdings macht der technische Fortschritt noch ganz andere Spielarten möglich. Der schweizer Komponist Alain Morisod verband in dem 1980 erschienenen Instrumentalstück „Et les oiseaux chantaient“ (zu Deutsch „Und die Vögel sangen“) auf unglaubliche Weise seine Noten mit einer Vielzahl wundervoller Naturstimmen.

Nach dem kalten und verregneten Wochenende sind solche Klänge bestens geeignet, unsere Stimmung wieder aufzuhellen. Machen Sie einen Selbstversuch. Im Internet ist das Stück mit dem in der Überschrift genannten Titel leicht zu finden. 

Das Dreieck

Wer das Kleine geringschätzt, wird am Großen scheitern.

Dreiecke ab einer bestimmten Größe üben auf Menschen einen magischen Reiz aus. Denken wir zum Beispiel an das Bermudadreieck. Sind sie kleiner, werden diese einfachen geometrischen Figuren oft übersehen. Das ist in der Musik nicht anders. Beim Anblick eines Triangels mag mancher denken, das sei Kinderkram. Doch mitnichten, in Sinfonieorchestern haben diese wohlklingenden Gebilde ihren festen Platz. Tja und ihren großen Auftritt überlässt man ungern Anfängern, denn Triangelpartien können in der klassischen Musik recht anspruchsvoll sein. Der englische Perkussionist James Blades, der an der Royal Academy of Music als Professor dieses Fach lehrte, notierte in seinem profunden enzyklopädischen Musiklexikon „The Grove Dictionary of Music and Musicians“ zu diesem Instrument, dass: „der Triangel keineswegs ein einfach zu spielendes Instrument sei.“ Oft sieht man den Triangel zum Musizieren aufgehängt an einem Faden. Für komplexe und schnelle Rhythmen wird er aber mit zwei Klammern gespannt und mit zwei Schlägeln gespielt. Die Wiener Klassiker verwendeten diese durchdringenden hohen Metallklänge noch recht sparsam und zumeist für musikalische Färbungen nach damaligen „Türkenmode“. In der folgenden Musikepoche der romantischen Musik experimentierten die Komponisten gerne mit exotischen Instrumenten und neuen Klängen. So machte der Triangel Karriere. Das erste Stück, in dem der Triangel prominent eingesetzt wurde, war Franz Liszts Klavierkonzert Nr. 1 in Es-Dur, wo es im dritten Satz als Soloinstrument erklingt. Das brachte dem Stück den Spitznamen das „Triangelkonzert“ ein.

Im „Schetterleskoffer“ unserer aktiven Kapelle findet sich neben etlichen Rhythmusinstrumenten selbstverständlich ebenfalls ein Triangel. Und weil sich unser Verein ebenso glücklich schätzen kann, eine Musikerin und einen Musiker in seinen Reihen zu wissen, die vor den Geheimnissen des „gebogenen Drahtes“ keine Bange haben, wollen wir gespannt bleiben, welchen Auftritt dieses unscheinbare Dreieck demnächst haben wird.

Das Zeitgefühl …

… ist von allen menschlichen Emotionen die wohl launenhafteste. Es ist von starken Stimmungsschwankungen geprägt und man kann sich selten darauf verlassen. So gibt es Institutionen, die gefühlt schon seit Ewigkeiten existieren, wie zum Beispiel die Bayreuther Festspiele. Vielleicht liegt das an den sagenhaften und altertümlichen Stoffen, denen sich Richard Wagner mit so viel Hingabe widmete. Richtig ist jedenfalls, dass erst 1991 der 25. Juli als festes Eröffnungsdatum für das große Musikspektakel auf dem Hügel festgelegt wurde. 

Andererseits gibt es Komponisten, deren Werk so zeitlos und modern wirkt, als wäre es erst unlängst veröffentlicht worden. Dazu gehört der griechische Komponist Mikis Theodorakis. Er wurde vor hundert Jahren am 29. Juli 1925 geboren. Da war der Musikverein in Bittenfeld gerade erst zarte 4 Monate alt. Weltweit bekannt wurde Mikis Theodorakis durch seine Musik zum Kinoklassiker „Alexis Sorbas“. Der Tanz „Sirtaki“ aus diesem Streifen ist für uns heute geradezu griechisches Kulturgut. Sein musikalisches Schaffen war aber erheblich breiter. Über 1000 Werke sind aus seiner Feder bekannt. Die Vertonung des Canto General nach Versen von Pablo Neruda begründete seinen Weltruhm. In Griechenland wird Mikis Theodorakis als Volksheld verehrt. Als junger Mann war er im Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die deutsche Besatzung. Später engagierte er sich gegen die Militärdiktatur (1967 bis 1974) mit schweren persönlichen Opfern. Im neuen demokratischen Griechenland war er für 2 Jahre sogar als Minister tätig. Über Jahrzehnte hinweg setzte er sich für den Frieden ein, besonders mit dem Nachbarn Türkei. Aber er geißelte auch die kriegerischen Auseinandersetzungen jener Zeit in Jugoslawien, Palästina und im Irak. 

In Bittenfeld geht es beschaulicher zu. Das Engagement der Musikerinnen und Musiker unseres Vereins konzentriert sich auf die kommenden Auftritte. Eine Marschprobe, bei der die Kombination aus geordnetem Laufen und gleichzeitigem Musikmachen geübt wurde, haben wir bereits absolviert. Eine wird vor der Sommerpause noch folgen. Tja und dann kommt am Horizont das Jahreskonzert in Sicht. Gefühlt ist das noch lange hin. Aber das Zeitgefühl bleibt eine Diva.

Sommerloch?

Nein, in dieser Ausgabe gibt es tatsächlich keine Ankündigung für einen in nächster Zeit stattfindenden Auftritt. Es ist aber nicht so, dass es in den kommenden Wochen nichts mehr zu tun gäbe. Im Herbst warten besondere Events wie der Festabend zum Jubiläum 100 Jahre Obst- und Gartenbauverein Bittenfeld, die Teilnahme am Festumzug zum hundertjährigen Jubiläum des Musikvereins Schwaikheim und selbstverständlich das Herbstkonzert zu unserem eigenen Jubiläum. Jede dieser Veranstaltungen hat seinen ganz eigenen Charakter und erfordert spezifische Vorbereitungen. Es folgt also ordentliche Probenarbeit.

Sommerlöcher – so scheint es – gibt es nur in der Politik.

In die aufführungsfreie Sommerzeit haben wir uns mit zwei kleinen aber schönen Konzerten verabschiedet.

Da waren am vergangenen Freitag mitten in Bittenfeld am Musikheim am Zipfelbach die Sommerabendklänge zu hören. Bei angenehmen milden Temperaturen, umspielt von einem zauberhaften Abendlicht hat, die aktive Kapelle in entspannter Atmosphäre Unterhaltungsmusik zum Besten gegeben. 

Am Sonntagnachmittag hat dann die Bittenfelder Musikjugend gezeigt, was sie kann. Hut ab. Es war ein wirklich erstaunliches und erfreuliches musikalisches Mosaik.

Zurück und in die Zukunft

so wollen wir die Blicke in diesem Beitrag richten. In den letzten drei Ausgaben hatten wir drei Mal Werbung für unsere Zukunft platziert. Zum einen ging es um 

das kleine Sommerkonzert
der musikalischen Jugend Bittenfelds
am Sonntag, 13. Juli um 15:00 Uhr
im Musikheim am Zipfelbach

und zum anderen um den Instrumentalunterricht, den wir hier vor Ort in Bittenfeld anbieten, so dass den Kindern lange Wege erspart bleiben. 

Neben diesen Projekten der etwas weiteren Zukunft, haben wir ebenso auf die bevorstehende Serenade beim

Biergartenkonzert 
Sommerabendklänge
am Freitag dem 11. Juli ab 18:00 Uhr
am Musikheim am Zipfelbach

hingewiesen.

Aber in den zurückliegenden Wochen waren die Musikerinnen und Musiker recht aktiv bei drei Auftritten:

Von mitreißend bis andächtig aber immer feierlich beim Fronleichnamsgottesdienst in Bittenfeld.

Heiß her ging es beim Altstadtfest in Waiblingen.

Mit bester Stimmung für gute Laune beim Fleckafest in Schwaikheim.

Bye and bye

Schon ein flüchtiger Blick auf unseren aktuellen Beitrag in diesem Blättle zeigt, dass sich die Musikerinnen und Musiker unseres Vereins momentan auf zwei recht ungleiche Auftritte vorbereiten. Für die musikalische Umrahmung des Fronleichnamsgottesdienstes liegt unter anderem das Stück „Bye Bye Spiritual“ auf den Pulten. Das ist ein raffiniertes Potpourri, in dem der Komponist Luigi di Ghisallo einige populäre religiöse Weisen ineinander verwoben hat, die aus dem nordamerikanischen Kulturkreis stammen und dort von Menschen geschaffen wurden, deren Vorfahren in Afrika geboren wurden.

Aber wie erklärt sich der merkwürdige Titel? Auch wer nur wenige englische Ausdrücke im alltäglichen Sprachgebrauch hat, weiß, dass sich „bye bye“ salopp mit „tschüss“ übersetzen lässt. Was soll das mit Kirchenmusik zu tun haben? Nun die Lösung liegt in einem der verwendeten Lieder, nämlich „Bye and bye“. Aus dem ursprünglich sehr ernst gemeinten „God be with You“ entstand durch alltäglichen Sprachabschliff das kurze „bye“, aus dem wiederum „bye and bye“ hervorging. Mit diesen Worten verabschiedet man jemanden, der eine lange Reise antritt. In diesem Sinne wiederum besingt der gleichnamige Gospel ein Wiedersehen in glücklicheren Zeiten – im Himmel. Komponiert wurde das Stück 1905 von Charles Albert Tindley. Erfolge hat damit aber ebenso Elvis Presley gefeiert. Eine ganz eigene musikalische Interpretation dieser Idee schuf Bob Dylan für sein Album „Love and Theft“.

Beim 

Gottesdienst zu Fronleichnam 
am Donnerstag, 19. Juni ab 10:30 Uhr

kommen wir aber der ursprünglichen jazzigen Version nahe. Wer sich das live anhören möchte, kommt bei schönem Wetter auf das Gelände des ehemaligen Kindergartens direkt neben der katholischen Kirche St. Martin Bittenfeld. Bei Regen wird der Gottesdienst in der Kirche abgehalten.

Nur 10 Tage später spielen wir auf beim

Waiblinger Altstadtfest
am Sonntag, 29. Juni von 14:30 bis 16:30 Uhr
auf dem Festplatz in der Kernstadt