interessierten Zeitgenossen ist es nicht entgangen, dass der 16.Januar am Beginn einer ganzen Reihe von internationalen Feierlichkeiten zu 100 Jahre Bauhaus steht. Was aber – so fragt sich der geneigte Leser – hat das mit Musik zu tun? Schließlich propagiert das Bauhaus Manifest das Zusammenwirken von Künstlern und Handwerkern am Bau oder anders ausgedrückt die Einheit von bildnerischer Kunst und Architektur. Von Musik aber findet sich dort kein Wort.
Doch schon auf den zweiten Blick wird klar, dass sich dieser Aufbruch in die Moderne auf alle Lebensbereiche erstrecken muss(te). Schließlich war einer der Ideengeber, der eng mit Walter Gropius dem ersten Direktor dieser Institution zusammenarbeitete, der aus Stuttgart stammende Oskar Schlemmer. Und dieser Künstler wiederum wurde gerade mit seinem avantgardistischen Bühnenwerk dem Triadischen Ballett weltbekannt. Übrigens kann man die Figurinen, die Oskar Schlemmer dafür entwarf, in der Staatgalerie in Stuttgart bestaunen.
Aber zurück nach Weimar, der ersten Bauhausstadt. Neben der nach außen sichtbaren Förderung gerade zeitgenössischen Musikschaffens zum Beispiel mit der Veranstaltung von Konzerten mit Werken von Komponisten wie Paul Hindemith oder Igor Strawinsky, gab es außerdem ein interessantes internes Musikleben am Bauhaus. Das wurde in der Hauptsache von den Schülern getragen und organisiert. Schließlich wurde sogar eine Bauhauskapelle gegründet, in der so ungewöhnliche Instrumente wie Bumbass, Flex-a-ton und Lotosflöte zum Einsatz kamen. Den Klang des Flex-a-tons beschreibt einer der damaligen Musiker als eine Art klingendes Basso continuo und die Lotosflöte als eine säuselnd-winselnde, heulende oder triumphierend-gellende Sirene. Demensprechend interessant dürfte sich die Musik dieser Band angehört haben, die ein Zeitgenosse als einen „stark rhythmischen, durchdringenden Lärm“ beschreibt zu dem „weitere geräusch- und tonerzeugende Materialien wie Drähte, Nägel, Stühle und Revolverschüsse“ beigetragen haben.
Und nun machen wir letztlich noch den Bogen zum Musikverein „Frei weg“ Bittenfeld. Wir Musiker*innen haben uns nämlich gleichfalls eine Erneuerung unseres Repertoires vorgenommen, vielleicht nicht ganz so radikal. Bleibt festzustellen, wie wundervoll viele originelle Vorschläge bereits eingegangen sind, die wir nun in den kommenden Wochen in überraschende Hörerlebnisse für unser Publikum umsetzen wollen, ohne dass wir dabei unsere Traditionen vergessen.
