Leider konnten wir unser geplantes Kirchenkonzert zum Frühlingsanfang, auf das wir uns alle gefreut hatten, nicht aufführen. So stellt sich jetzt Mitte April die Frage, wie es weitergehen wird. Auch unser Fest zum 1.Mai muss dieses Jahr leider ausfallen. Zu unsicher sind die Prognosen, wie sich das öffentliche Leben in den nächsten Tagen und Wochen entwickeln wird. Trotzdem werden wir Musiker uns jetzt einem anderen Repertoire zuwenden.
Dieser Übergang von kirchlicher zu weltlicher Musik soll denn heute Anlass sein, eine musikalische Form zu streifen, die in beiden Bereichen des Lebens zu Hause ist, die Kantate.
In ihren Anfangszeiten war sie eine Revolution in der Kirchenmusik. Im Gegensatz zu den Chören der Mönche, die den gregorianischen Gesang pflegten, traten nun Gesangskünstler solistisch in Erscheinung, die mit Instrumenten begleitet wurden. Im Laufe der Entwicklung wurden die Kantaten aber auch um Chorsätze sowie instrumentale Vor- und Zwischenspiele bereichert. Ihre Blüte erlebte die Kantate vor circa 300 Jahren im Barock. Die berühmtesten Kantaten-Komponisten jener Epoche sind sicherlich Dieterich Buxtehude, Georg Philipp Telemann und selbstverständlich Johann Sebastian Bach. Sie komponierten Kantaten vorwiegend, aber nicht ausschließlich für den kirchlichen Gebrauch. Mit „Schweigt stille, plaudert nicht“ schenkte uns Bach die so bekannt gewordene Kaffeekantate. Es geht um Herrn Schlendrian, der recht rabiat versucht, seiner Tochter Liesgen die Unsitte des täglichen Kaffeetrinkens abzugewöhnen. Erst als er ihr die Erlaubnis zur Heirat in Aussicht stellt, lenkt die clevere Tochter scheinbar ein, um sich dann doch einen Mann zu suchen, der ihr auch in der Ehe jederzeit das Kaffeetrinken gestattet. So heißt es denn im Schlußtrio „Die Katze lässt das Mausen nicht“. Die Uraufführung im Leipziger Café Zimmermann soll Bach persönlich geleitet haben.
Nun, eine Kantate werden wir sicher nicht einstudieren. Genauso wenig planen wir einen Auftritt in einem Café. Aber mal wieder stimmungsvolle Melodien im oder am Musikheim am Zipfelbach erklingen zu lassen, ist doch eine nette Vorstellung, für die wir fleißig Home-Music betreiben.
