Dass der Musikgeschmack immer in Bewegung ist, merkt man selbst spätestens an den eigenen Kindern oder wenn man sich einen neuer Radiosender suchen muss, weil einem der „neue Kram“ einfach nicht gefallen will. Und ruckzuck ertappt man sich dabei, an die guten alten Zeiten zu denken. Doch selbst die immergrünen Hits ändern sich mit den Generationen. Ewig gültig wirken dagegen nur die Klassik und die Volksmusik.
Doch halt, selbst Volksmusik ist nichts Statisches. Vor 200 Jahren war man der Meinung, Volksmusik sei traditionelle Musik hohen Alters. Komponisten oder Liedtexter waren unbekannt und konnten nicht ermittelt werden. Deshalb seien die Lieder und Tänze quasi aus der Mitte des Volkes heraus entstanden. Anfang des 20. Jahrhunderts fand ein gewisser John Meier aber heraus, dass zahlreiche Volkslieder doch auf einen einzelnen Autor zurückführbar waren und folgerte daraus, die Volkslieder seien von der Musik der höheren Schichten übernommen und dem Stilempfinden des breiten Volkes angeglichen worden. Wie dem auch sei, selbst das Gestrige und – wie manche meinen – das ewig Gestrige hat einen Anfang. Das gilt für den Jazz ebenso wie für den Walzer oder die Polka.
Letztere entstand um ca. 1830 in Böhmen und begann von dort ihre schnelle Verbreitung über Prag, Wien und Paris in die damals moderne Welt. Die Polka wiederum hatte wohl in einem Tanz namens Hopser ihren Vorgänger. Jedenfalls sind die verwendeten Tanzschritte gleich. Nur die Musik ist beschwingter. Übrigens verwendete bereits Johann Sebastian Bach 1742 einen Hopser in seiner Bauernkantate, um mal Verbindung mit dem Artikel der letzten Woche herzustellen.
Heute wird Polka bei Partys eher seltener getanzt. Da es aber zu schade wäre, diese Form der Musik aussterben zu lassen, muss sie jemand bewahren. Und hier kommen Kapellen wie jene unseres Musikvereins ins Spiel. Im sicher nicht leichten Spagat zwischen guter Unterhaltung für das breite Publikum und einer eigenen musikalischen DNA bleibt sie für uns ein fester Bestandteil des Repertoires, das nun jeder Musiker fleißig daheim aufpoliert.
