Archiv des Monats: Januar 2019

Fagott und Waiblingen

bereits in der vergangenen Woche stand das Fagott im Mittelpunkt dieser kleinen Kolumne und wurde dabei etwas ungewöhnlich und schräg beleuchtet. Nun soll hier Gelegenheit einer Ehrenbetrachtung sein, denn dieses beachtliche Holzblasinstrument spielt für die Stadt Waiblingen eine nicht ganz unbedeutende Rolle.

Vermutlich weiß es nicht jeder, doch in der Anton-Schmidt-Straße in Waiblingens Kernstadt befindet sich die Meisterwerkstatt für Holzblasinstrumentenbau – Bernd Moosmann GmbH. Sie ist die Wiege für bis zu 300 Fagotte pro Jahr. Gespielt werden diese Meisterwerke quasi in der ganzen Welt. In über 60 Ländern auf allen Erdteilen verhelfen diese speziellen Exportschlager aus unserer Heimat Künstlern zu Erfolgen.

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil an diesem Erfolg, hat die Entwicklung eines besonderen Kontrafagotts. Diese einzigartige Ausführung kann nämlich einen halben Ton tiefer gehen als seine klassischen Geschwister. Zuerst bestellt hatte es vor 35 Jahren der österreichische Fagottist und Komponist Professor Werner Schulze. Er wollte auf diese Weise mit seiner Musik den Walgesängen im wahrsten Sinne des Wortes näher kommen. Diese großen Meeressäuger könnten diese tiefen Töne – wie man so weiß – verstehen. Ob ihnen aber jemals ein Konzert mit einem Moosmann Kontrafagott mit Subkontra-As vorgespielt wurde, ist leider nicht überliefert. Was Wale dazu zu sagen hätten eben so wenig.

Nun ja Wale gehören in Waiblingen üblicherweise auch nicht zum Publikum und in Bittenfeld ebenfalls nicht. Für unser heimisches Publikum und Freunde der Blasmusik „renovieren“ wir gerade unsere Notenmappen. Das Ausprobieren und Anspielen machte die letzten Proben deshalb recht interessant. Und die kommenden werden es genauso.

Wer mitmacht kann Musik gestalten.

Musikstunde der aktiven Kapelle
freitags von 20:00 bis 22:00 Uhr
im Musikheim am Zipfelbach

Fagott und Degas

Wenn man die einschlägige Literatur nach Witzen über das Fagott oder Fagottisten durchsucht, wird man kaum fündig. Vielleicht liegt es daran, dass es in der Unterhaltungsmusik selten, eigentlich gar nicht eingesetzt wird. Wer es darauf anlegt, kann ein Fagott nur in klassischen Konzerten hören. Beim Blick ins Orchester kann man es dann aber nicht übersehen. Schließlich ist das Instrument ungefähr 1,35 m hoch. Die Länge des gesamten Rohres beträgt aber ca. 2,55 m, da es aus zwei Röhren gebildet wird, die über den sogenannten S-Bogen verbunden werden. Je nach Vorlieben und Bedarf des Spielers kann dieser S-Bogen aus verschiedenen Metallen und Legierungen bestehen wie zum Beispiel Neusilber oder Messing. Doch selbst Silber, Gold und sogar Platin wurden dafür schon verwendet. Ähnlich wie beim Geigenbogen ist die Suche nach dem S-Bogen, der perfekt zum Fagott passt, oft sehr langwierig. Fagottisten besitzen meist mehrere S-Bögen in verschiedenen Längen, um das Instrument grob zu stimmen.

Für alle, die es weniger in Konzertsäle zieht, die dafür lieber ins Museum gehen, sei ein Gemälde empfohlen, in denen ein Fagott und sein Spieler eine vordergründige Rolle spielen, fast möchte man meinen, ein Solo. Gemalt hat es Edgar Degas. Zu sehen ist es im Musee d’orsay in Paris. Wer nicht ganz so weit reisen will oder kann, der möge wenigstens Frankfurt am Main in Erwägung ziehen. Das dortige Städelmuseum schätzt sich glücklich, ebenfalls einen Degas zu besitzen und zwar „Die Orchestermusiker.“

Aber wir schweifen ab. Hier nun endlich wenigstens ein Witz zu dem Thema:

„Kontrafagottisten sind fanatische Musiker. An einer Stelle hat ein Kontrafagottist tatsächlich mal einen Ton zu spielen. Er meldet sich deshalb und fragt den Dirigenten, wie der Ton klingen sollte. Er spielt einen Ton vor: „ooooooorb“ oder so „oooooorrrrb“? – „Eigentlich egal“, sagt der Dirigent, „aber ziehen Sie bitte danach die Spülung!“

Das lässt sich kaum steigern? Oder wie ist die Steigerung von Fagott – Forget – Forget it?

Naja wir können uns diese Scherze leisten. Bisher hatten wir keinen Fagottisten bei uns im Musikheim zu Gast.

Doch falls mal einer kommt, so ist er herzlich eingeladen, mit uns zu musizieren, wie übrigens jeder, der das hier liest und Freude am Musikmachen hat.

Musikstunde der aktiven Kapelle
freitags von 20:00 bis 22:00 Uhr
im Musikheim am Zipfelbach

Bauhaus und Musik

interessierten Zeitgenossen ist es nicht entgangen, dass der 16.Januar am Beginn einer ganzen Reihe von internationalen Feierlichkeiten zu 100 Jahre Bauhaus steht. Was aber – so fragt sich der geneigte Leser – hat das mit Musik zu tun? Schließlich propagiert das Bauhaus Manifest das Zusammenwirken von Künstlern und Handwerkern am Bau oder anders ausgedrückt die Einheit von bildnerischer Kunst und Architektur. Von Musik aber findet sich dort kein Wort.

Doch schon auf den zweiten Blick wird klar, dass sich dieser Aufbruch in die Moderne auf alle Lebensbereiche erstrecken muss(te). Schließlich war einer der Ideengeber, der eng mit Walter Gropius dem ersten Direktor dieser Institution zusammenarbeitete, der aus Stuttgart stammende Oskar Schlemmer. Und dieser Künstler wiederum wurde gerade mit seinem avantgardistischen Bühnenwerk dem Triadischen Ballett weltbekannt. Übrigens kann man die Figurinen, die Oskar Schlemmer dafür entwarf, in der Staatgalerie in Stuttgart bestaunen.

Aber zurück nach Weimar, der ersten Bauhausstadt. Neben der nach außen sichtbaren Förderung gerade zeitgenössischen Musikschaffens zum Beispiel mit der Veranstaltung von Konzerten mit Werken von Komponisten wie Paul Hindemith oder Igor Strawinsky, gab es außerdem ein interessantes internes Musikleben am Bauhaus. Das wurde in der Hauptsache von den Schülern getragen und organisiert. Schließlich wurde sogar eine Bauhauskapelle gegründet, in der so ungewöhnliche Instrumente wie Bumbass, Flex-a-ton und Lotosflöte zum Einsatz kamen. Den Klang des Flex-a-tons beschreibt einer der damaligen Musiker als eine Art klingendes Basso continuo und die Lotosflöte als eine säuselnd-winselnde, heulende oder triumphierend-gellende Sirene. Demensprechend interessant dürfte sich die Musik dieser Band angehört haben, die ein Zeitgenosse als einen „stark rhythmischen, durchdringenden Lärm“ beschreibt zu dem „weitere geräusch- und tonerzeugende Materialien wie Drähte, Nägel, Stühle und Revolverschüsse“ beigetragen haben.

Und nun machen wir letztlich noch den Bogen zum Musikverein „Frei weg“ Bittenfeld. Wir Musiker*innen haben uns nämlich gleichfalls eine Erneuerung unseres Repertoires vorgenommen, vielleicht nicht ganz so radikal. Bleibt festzustellen, wie wundervoll viele originelle Vorschläge bereits eingegangen sind, die wir nun in den kommenden Wochen in überraschende Hörerlebnisse für unser Publikum umsetzen wollen, ohne dass wir dabei unsere Traditionen vergessen.

Kleine Dezemberrückschau

Die Neujahrskonzerte sind verklungen und alle Welt schaut nach vorn und fragt sich, was das neue Jahr wohl bringen werde. Wir aber gestatten uns den Luxus und werfen nochmal einen kleinen Blick zurück. Schließlich ist der Dezember nun auch wieder nicht solange her und einiges blieb unberichtet wie die Jugendweihnachtsfeier. Am Sonntag den 16.Dezember versammelten sich im Restaurant am Zipfelbach einige aufgeregte junge Menschen um zu musizieren. Es gehört eben neben Können auch Mut dazu, (fast) allein auf der Bühne zu stehen und zu zeigen, was man drauf hat.

Jedenfalls hatten alle Beteiligten ihre Freude nicht nur das Publikum sondern auch die Musikfabrikanten, egal in welcher Formation sie spielten.

Nicht weniger Vergnügen gab es an Heiligabend bei der Einstimmung auf das Fest mit Weihnachtlichen Weisen.

Auf diesem Weg möchten wir uns nochmals recht herzlich für die freundliche Anteilnahme und die kräftige Unterstützung an allen Stationen in Bittenfeld bedanken.